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Segeln in den Bahamas

Die Bahamas aus der Vogelperspektive

Wo sitzt unsere Heizungszentrale für Europa? Richtig, das sind die Bahamas-Inselgruppen. Hier zischt das Atlantikwasser durch die Korallen und über die Flachsände unter heisser Sonne. Und lädt sich auf mit Energie. Die Bahamas sind der Turbo für den Golfstrom. Ohne sie hätten wir trotz Treibhausklima die Tundra in Norddeutschland und die Vergletscherung der Alpen.

Wir wollen von Spanish Harbour nach Dunhill City auf Harbour Island. Da kommt man nur hin, wenn man mitten durch die tückischen Korallenkopfbänke fährt.
Der Versicherungsschutz entfällt sofort, wenn man`s ohne Lotse machen wollte. Nein, obwohl ich bereits dreimal da durch ging: ohne Lotsen würde ich es nicht mal bei Flaute und glattem Wasser wagen. Denn das Wasser ist da nie glatt. Denn die Tidenströme kreisen und kennen kaum ein standstill. Obwohl der Tidenhub meist nur 60 cm beträgt. Es sind die unendlichen Flächen, deren Wassermassen Tidenpower geben.

Unser Lotse ist ein rothaariger Engländer-Nachfahre von 70 Jahren plus. Er geht am Stock und kostet 50 Dollar. Wir legen ab und sofort übernimmt er das Ruder.
Der Stock liegt derweil auf der Ducht. "Draft?" Wir sagen es ihm. "Where is the trottle?" Er gibt Vollgas, schaut aufs Wasser, wieviel an Fahrt die Yacht zulegt und nimmt etwas zurück, immerhin. Wir brausen durch einen Kanal nach Norden.

Mütze über Bord
Segel hoch, sagt er. Wir setzen Segel. Die Yacht legt sich und ist nun knapp vor Rumpfgeschwindigkeit. Durch ein Ungeschick stösst ein Grossschoot dicht holendes Crewmitglied die Mütze vom Kopf des Rudergängers. Der fährt aus dem Stand heraus sofort ein Ueberbordmanöver. Wir bedienen hastig die Schoten. Aus dem Kanal kommen wir dabei heraus. Das Wasser wird noch hellblauer. Die nasse Mütze wird gefischt. Wir sind wieder im Tiefen, full speed auf die Korallenbänke zu. Es gibt ein paar Kurven. Der Lotse zeigt auf ein paar historische Landmarken, ist Touristikführer.

Der Wind frischt zu 6 bis 7 Beaufort auf, als wir aus dem Landschatten herauskommen. Seewärts sehen wir eine geschlossene Brandungszone. Voraus ist auch Brandung, scheinbar ebenfalls geschlossen. Reffen, Genoa rein und Kreuzfock. Wieder ausreffen. Vollkreuz auf die eine Brandungszone zu. Es gibt aber Lücken, immerhin. Der Typ fällt ab. Wir umkurven mit 8 Knoten und Lage in 30 m Entfernung eine furchterregende Brandungszone. Die Felsen lecken bedrohlich an der Oberfläche.
Nun die Schoten dicht.

Mitten in der Brandungszone
"Dichter", sagt der Lotse. Ab jetzt sind wir die nächste Stunde an der Kreuz, die durch Gegenstrom fast 2 Stunden wird. Kreuz und qür scheint uns und mitten in einer Brandungszone, die mindestens 4 Sm breit ist. Wir kurven mal in Luv, mal in Lee an gruseligen Plateaus mit kochenden Wassern vorbei, um auf das nächste zuzuhalten. Die Wenden kommen erst, wenn wir schon den Atem anhalten.

Warum so spät, wird uns nachher klar, wenn wir das nächste Kochfeld Höhe schindend nur ein paar Meter in Lee haben. Der Lotse schiebt dann schon mal mit grämigem Gesicht den Hebel vorübergehend auf Vollgas.
Der verschenkt keinen Meter. Ich fühle mich an Fastnetregatten erinnert, bei denen wir an den Lizardnadeln und Fastnetrock gerade noch vorbeischrabbelten.

Hans-Walter Müller

Doch der Höhepunkt kommt erst: voraus taucht eine schnelle Tragflächenfähre auf, mit genau Gegenkurs. Der Lotse quäkt ins VHF handheld. Ich verstehe nur, die sollen den Kurs halten. Und wir? Ringsum kocht es, ein Stück weiter ist Strand. Wir machen eine Wende. Genau auf den Strand zu. Dort badet niemand. Das kann man genau sehen.  Ein paar Möwen schaün herüber zu uns. Nicht mehr lange und wir sind selber am Strand!

Das Boot hat 1.7 m Tiefgang. Die Wellen türmen sich vor dem Strand, bevor sie Brecher werden. Das Schiff hebt sich zwischen Wellental und Kamm um zwei Meter, gefühlt.

Der Lotse wendet. Er passt genau einen Wogenkamm ab, zieht darauf hoch. Der Strand mit hoher Brandung ist 50 m weg! Das Echolot läuft. Wir starren gebannt darauf. Der Lotse nur mit einem Seitenblick. Anzeige: 1,7 m. Oben, auf dem Wellenkamm! Wende! Während die Welle durchläuft, legt sich das Schiff unter dem Segeldruck wieder auf die Seite, nun nach BB. Die Welle unsere Wendung wird sofort ein Brecher Richtung Strand, noch mit unserem Kielwasser darauf. Wir setzen nicht auf im Tal. Gekrängte Schiffe haben weniger Tiefgang.
Die Schnellfähre rauscht in 25 m Entfernung an uns vorbei. Man grüsst sich lässig, auch aus dem Führerstand heraus dort. Es wird schnell wieder tiefer.
Der Lotse sagt: "They had to keep track".

Erleichtert, geradezu erlöst kreuzen wir weiter zwischen dem Rest der Korallenköpfe. Ist nun nichts Besonderes mehr, wir haben uns gewöhnt.

Mooring kostet 15 Dollar
Das neü Fahrwasser empfängt uns und der Seegang wird weniger. Der Wind bleibt frisch, die schützende Insel ist nicht hoch. Das Wasser wird glatt. Auf der Reede vor Dunhill City bietet uns der Lotse seine private Mooring an, 15 Dollar per night.  Wir akzeptieren. Eine Mooring, die diesem Seemann gehört, ist bestimmt die sicherste in ganz Bahamas.

Unser Lotse lässt sich in sein bisher nachgeschlepptes Boot fallen, nimmt den Krückstock entgegen und sagt: "See you somewhen. Need to hurry, a 120ft US private rich man`s powerboat waits for me. You need a stronger engine in your vessel." Sprachs und fährt mit full outboard power ab in Richtung, wo die Brandung war.

Epilog:
Schönheit, Freundlichkeit, karibisches Flair, Hochzeitsumzug an Land. Wunderschön gepflegte Häuser mit Paradiesgärten vor der Tür im spätenglischen Commomwealth-Flair.

Geradezu lukullisch die open air Bars und Restaurants. Vorherrschender Autoverkehr: Golfcarts, die alle links fahren, kaum ein Stinkauto dabei. Die Strassen und Wege sind von Kokospalmen gesäumt. Die Nüsse liegen wie Fallobst darunter.

Jeder grüsst jeden auf der Strasse. Hey und lächeln. Nachher haben wir Muskelkater im Gesicht und im rechten arm.

Aber wir sind glücklich. Die gefährliche Hölle da draussen und hier die Friedfertigkeit pur.
Das ist Urlaub.

Praktische Tipps und Infos

1700 Inseln und 270 tsd Einwohner, davon die Hälfte in der Hauptstadt Nassau.
Der Rest ist fast leer, gehört der Natur. Flache Wasser, kilometerlange Strände ohne jeden Fussabdruck.
Südlich von uns erstreckt sich ein Gebiet so gross wie die alte Bundesrepublik.
Will man da essen gehen, muss man eines der vielleicht 15 verlorenen und verstreut liegenden Restaurants, Reste alter Freibeuter-Stützpunkte aus der amerikanischen Prohibitionszeit, 2 bis 3 Tage vorher anrufen und einen Platz reservieren lassen.
Dies alles bezieht sich auf die Out Islands, SE von Nassau.
Charteryachten gibt es hier nicht.
Die kann man nur im Nordteil der Bahamas, in den Abacos bekommen.

Chartern:
Über Miami, USA. Florida Yacht Charter.
Da hier viele begüterte Amerikaner Ihre Häuser haben, gibt es auch Hotels, gute Restaurants, gepflegte Clubs mit Restauration. Und kuschelige Häuschen mit eigener Yacht an der Brücke und Privathangar fuer den Wasserflieger dabei. Rentneridylle eben.

Anreise:
Miami und dann mit einem Miniflieger für 600,- Dollar und in 20 Minuten nach Marsh Harbour. Das ist etwa der gleiche Tarif wie von London Gatwick nach Miami in gut 7 Stunden.
Zu den Out Islands weiter im Süden: über Nassau und mit gemietetem Wasserflugzeug (Lufttaxi) weiter. Hält auf Wunsch neben der Yacht. Die allerdings mit befreundeter Crew schon mal irgendwo vorher angekommen sein muss.

Fazit:
An den Bahamas scheiden sich die Geister: Für segelnde Touris wird es eher langweilig: wenige Eingeborene auf den Inseln, wenig Kriminalität, keine Barmädchen. Einkaufsbummel und Strandpromenaden: Fehlanzeigen. Wenn es Kais gibt, haben die den Charme einer Industriebrache.
Segler dagegen sind bei Ihren Abenteuer-Jugendträumen endlich life angekommen. Hier ist Lord Nelson`s , Culumbus` und Jack Sparrow`s Heimplatz.
James Bond`s berühmte Höhlenaufnahmen mit dem Sonnenloch in der Kuppel wurden hier gedreht. Die Höhle gibts tatsächlich. Taucht man hinein, muss man den Südteil meiden: je nach Tide gibts hier einen starken Sog abwärts, ins Dunkle. Da ist eine richtige Delle im Wasser. Abenteuer pur.

Text & Fotos: Hans-Walter Müller

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