Doch der Höhepunkt kommt erst: voraus taucht eine schnelle Tragflächenfähre auf, mit genau Gegenkurs. Der Lotse quäkt ins VHF handheld. Ich verstehe nur, die sollen den Kurs halten. Und wir? Ringsum kocht es, ein Stück weiter ist Strand. Wir machen eine Wende. Genau auf den Strand zu. Dort badet niemand. Das kann man genau sehen. Ein paar Möwen schaün herüber zu uns. Nicht mehr lange und wir sind selber am Strand!
Das Boot hat 1.7 m Tiefgang. Die Wellen türmen sich vor dem Strand, bevor sie Brecher werden. Das Schiff hebt sich zwischen Wellental und Kamm um zwei Meter, gefühlt.
Der Lotse wendet. Er passt genau einen Wogenkamm ab, zieht darauf hoch. Der Strand mit hoher Brandung ist 50 m weg! Das Echolot läuft. Wir starren gebannt darauf. Der Lotse nur mit einem Seitenblick. Anzeige: 1,7 m. Oben, auf dem Wellenkamm! Wende! Während die Welle durchläuft, legt sich das Schiff unter dem Segeldruck wieder auf die Seite, nun nach BB. Die Welle unsere Wendung wird sofort ein Brecher Richtung Strand, noch mit unserem Kielwasser darauf. Wir setzen nicht auf im Tal. Gekrängte Schiffe haben weniger Tiefgang.
Die Schnellfähre rauscht in 25 m Entfernung an uns vorbei. Man grüsst sich lässig, auch aus dem Führerstand heraus dort. Es wird schnell wieder tiefer.
Der Lotse sagt: "They had to keep track".
Erleichtert, geradezu erlöst kreuzen wir weiter zwischen dem Rest der Korallenköpfe. Ist nun nichts Besonderes mehr, wir haben uns gewöhnt.
Mooring kostet 15 Dollar
Das neü Fahrwasser empfängt uns und der Seegang wird weniger. Der Wind bleibt frisch, die schützende Insel ist nicht hoch. Das Wasser wird glatt. Auf der Reede vor Dunhill City bietet uns der Lotse seine private Mooring an, 15 Dollar per night. Wir akzeptieren. Eine Mooring, die diesem Seemann gehört, ist bestimmt die sicherste in ganz Bahamas.
Unser Lotse lässt sich in sein bisher nachgeschlepptes Boot fallen, nimmt den Krückstock entgegen und sagt: "See you somewhen. Need to hurry, a 120ft US private rich man`s powerboat waits for me. You need a stronger engine in your vessel." Sprachs und fährt mit full outboard power ab in Richtung, wo die Brandung war.
Epilog:
Schönheit, Freundlichkeit, karibisches Flair, Hochzeitsumzug an Land. Wunderschön gepflegte Häuser mit Paradiesgärten vor der Tür im spätenglischen Commomwealth-Flair.
Geradezu lukullisch die open air Bars und Restaurants. Vorherrschender Autoverkehr: Golfcarts, die alle links fahren, kaum ein Stinkauto dabei. Die Strassen und Wege sind von Kokospalmen gesäumt. Die Nüsse liegen wie Fallobst darunter.
Jeder grüsst jeden auf der Strasse. Hey und lächeln. Nachher haben wir Muskelkater im Gesicht und im rechten arm.
Aber wir sind glücklich. Die gefährliche Hölle da draussen und hier die Friedfertigkeit pur.
Das ist Urlaub.