Bordbuch Bijou - Von Berlin binnen bis in den Süden

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Der Canal de la Marne a la Saone 05.11.05 bis 14.11.05

Die 27-Fuß-Yacht unseres Autors

Samstag, 05.11.05

Um 07.30 h stehe ich auf, weil der Wecker geklingelt hat. Waschen und Wasser kochen sind die morgendlichen Aktivitäten. Um 09.00 h habe ich meine Verabredung, meinen Date, mit dem nächsten Schleusenmeister. Daher ist um 08.50 h Ablegen angesagt. Beide sind wir pünktlich, die Schleuse ist schon offen und ich kann gleich einfahren. Dann gibt es mit dem heißen Wasser und löslichem Kaffee für uns beide erst einmal eine kleine, heiße Verschnaufpause. Es ist wieder blauer Himmel und Temperaturen bis 12 Grad. Sieben Schleusen bergab sind insgesamt noch im Canal de la Marne au Rhin zurückzulegen, dann kommt der Ort Vitry- le- Francois und damit der Übergang in den Canal de la Marne a la Saone. Dieser Übergang in Vitry gestaltet sich jedoch wieder etwas problematisch, weil die automatische Schleuse trotz mehrfachen Betätigens der über dem Kanal aufgespannten Stange nicht ansprechen wollte. Erst nach Telefonieren wurde zugesagt, die Schleuse vorzubereiten, was dann auch kurzfristig geschah. Wahrscheinlich war sie einfach ausgeschaltet. Insgesamt habe ich im Canal de la Marne au Rhin 97 Schleusen, davon 27 bergauf und 70 bergab und den Tunnel von Mauvages auf einer Gesamtstrecke von 131 Km bewältigt. Um 12.00 h ist der Übergang in den Canal de la Marne a la Saone, wo die ersten 5 Schleusen, nun wieder bergauf führend, abgearbeitet werden. Diese Schleusen sind, wie der gesamte Kanal, erst 1907 fertig gestellt und schon relativ modern, aber trotzdem in den meisten Fällen noch manuell und durch die mitfahrenden Schleusenmeister zu bedienen. Das Moderne zeigt sich darin, das die Schleusenhöhe überwiegend um die 4 m beträgt (gegenüber den durchschnittlich 3m auf dem Canal de la Marne au Rhin) und der gesamte Kanal auf seinen 224 Km mit nur 114 Schleusen auskommt (davon 71 bergauf und 43 bergab).  An der letzten Schleuse gibt es eine Stunde Wartezeit, weil eine Peniche in der Schleuse noch Trinkwasser übernimmt. Bei dem großen Tank der Peniche und dem Durchmesser des Gartenschlauches dauert so etwas natürlich etwas länger. Ende des Tages ist um 16.00 h in Orconte, wo am Liegeplatz auch Strom sein soll. Leider ist dieser abgeschaltet und trotz mehrerer Telefonate ist keiner bereit, diesen wieder anzuschalten. Also heißt es früh in den Schlafsack zu kriechen, aber vorher wird im Ort noch eingekauft.  2 Baguette, 2 Croissants und ein Camembert sichern die abendliche französische Mahlzeit (Rotwein war noch an Bord) und geben den Grundstock für das Frühstück am nächsten Morgen.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

 

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

05.11.05

Pargny sur S.

09.00

Orconte

16.00

16

698

12

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

134

07.00

194.10

06.00

178.30

15.00

6,00

866,14

 

 

Sonntag, 06.11.05

Um 07.30 h heißt es aus dem warmen Schlafsack heraus, eine schnelle Katzenwäsche und dann in die feuchtkalten, klammen Klamotten. 6 Grad zeigt das Thermometer im Salon. Irgendwo habe ich einmal gelesen, das die alten Seefahrer, wenn sie dann überhaupt aus ihren Klamotten zum Schlafen gestiegen waren, ihr Zeug für den nächsten Tag mit in den Schlafsack genommen hatten, damit dieses dann schon vorgewärmt war. Na ja, so weit ist es noch nicht. Schließlich hat der Körper die Wäsche schnell aufgewärmt. Um 09.00 habe ich die Verabredung mit dem heutigen Schleusenmeister. Der ist an der nächsten Schleuse auch pünktlich zur Stelle und hat das Schleusentor schon geöffnet. Inzwischen kommt auch die Sonne zum Vorschein. Blauer Himmel, Sonnenschein und warm. Richtiges Sonntagswetter. Die Familie des Schleusenmeisters nutzt das schöne Wetter und seine Frau und seine 3 kleinen Kinder begleiten ihn auf einem Stück des Weges und schauen ihm bei seiner Arbeit zu. Gegen Mittag endet die Zuständigkeit meines Schleusenmeisters und er übergibt mich telefonisch an einen Kollegen, der an der übernächsten Schleuse auf mich warten würde. Ob er jetzt wohl Feierabend hat? Leider mag die automatische Schleuse, die zwischen dem Übergang folgt, nicht so, wie sie soll. Das Radargerät vor der Schleuse zeigt zwar durch ein Lichtsignal an, das es mich erkannt hat, aber das Lichtsignal an der Schleuse bleibt auf Rot und reagiert nicht. Also ist wieder einmal Telefonieren angesagt und der Zentrale zu erzählen, das die Schleuse XY „ferme“ sei und nicht öffnet. Kurze Zeit später geht dann das Lichtsignal auf Rot/ Grün, das Zeichen dafür, dass der Schleusenvorgang in Vorbereitung ist. Jetzt wird sie herunter gefahren und danach das untere Einfahrtstor geöffnet. Nun kann ich einfahren und nachdem ich in der Schleuse bin, durch das Betätigen der blauen Signalstange den Startschuss zum Hochschleusen geben. Das funktioniert dann durch das Schließen der unteren Tore, dem Fluten der Schleusenkammer und zum Abschluss das Öffnen der oberen Tore, so dass ich ausfahren kann. Mein neuer Schleusenmeister an der nächsten Schleuse macht erst einmal die ihm zustehende Mittagspause, so dass es auch hier erst mit einiger Verzögerung weitergeht. Man muss lernen, nicht die Leistung oder Tagesetmale voranzustellen, sondern einfach jeden Tag für sich zu genießen. Der Weg ist das Ziel und nicht irgendwelche vorgenommenen Planungen. Am Nachmittag gesellen sich noch zwei weitere Sportmotorboote dazu, die wir einholen. Da immer zwei Boote maximal in die Schleusenkammer passen, fahre ich zuerst mit einem englischen Ehepaar, das aus Paris kommt, gemeinsam in die nächsten Schleusen. Dann ergibt es sich, dass ich mit dem belgischen Ehepaar fahre. Am Zielort, in Bayard sur Marne, liegen wir mit 4 Sportbooten am Anleger. Ein belgisches, ein holländisches, ein englisches und ich, ein deutsches Boot, hintereinander. Allerdings bin ich das einzige Segelboot, die anderen drei Boote sind Motorboote. Auch hier gibt es keinen Strom, sondern der Service erschöpft sich in der Gestellung eines Papierkorbes. Aber immerhin. Um 17.45 h, es ist schon fast dunkel, sind die Leinen fest und der Motor aus. Ein kurzer Spaziergang in das nahe Industriegebiet von Bayard führt mich zu einem geöffneten Pizzastand, so dass die heutige Speisekarte zum Abend eine italienische ist. Trotz der kleinen Probleme sind 15 Schleusen zurückgelegt und ein interessanter Tag geht zu Ende. Um 20.30 h liege ich gut verpackt im Schlafsack.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

06.11.05

Orconte

09.00

Bayard sur Marne

17.45

17

715

15

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

149

8.45

202.55

07.00

185.30

22.00

8,50

874,64

Montag, 07.11.05

Nachts wird es doch schon ganz schön frisch. 6 Grad zeigt mein Innenthermometer an, als ich um 07.30 h aus meinem Schlafsack krieche. Kaffee kochen, Katzenwäsche, dann geht es um 08.30 h, heute zusammen mit dem auch allein fahrenden Holländer, der aus Paris gekommen ist, los. Das Wetter ist wechselnd bewölkt, am Vormittag gibt es einige kurze Schauer. Ich fahre am Innensteuerstand, nur zu den Schleusungen muss ich heraus. Trotzdem ist Ölzeug angesagt. Gegen Mittag erreichen wir Joinville, wo der Schleusenmeister seine 1,5 h Mittagspause nimmt. Dazwischen gibt es die Möglichkeit für einen kurzen Spaziergang in Joinville. Das Oelzeug kann wieder ausgezogen werden, da die Sonne vorsichtig hinter den Wolken hervorschaut und auch die Temperaturen in der Sonne auf 15 Grad ansteigen. Um 13.30 h geht es weiter. Noch 4 h fahren wir durch eine wunderschöne, urtümliche Landschaft bei inzwischen auch wieder schönem Wetter. Um 17.30 h legen wir in Villiers- sur- Marne an. Kurz danach kommt auch noch das englische Boot an, so dass wir heute Abend hier zu dritt liegen. Am Anleger keinerlei Infrastruktur, noch nicht einmal einen Papierkorb gibt es hier. Der kleine Ort ist rund 400 m entfernt und besteht aus einer Straße, einer schlichten Kirche und einigen alten Häusern. Auch hier gab es einmal eine Kneipe, aber nach der Staubschicht zu urteilen, ist diese schon lange aufgegeben. 13 Schleusen, 5 Hubbrücken und ungefähr 31 Km haben wir heute zurückgelegt und etwa 50 m Höhenunterschied überwunden. Die Schleusen sind noch überwiegend in ihrem Originalzustand mit alten Holztoren, gusseisernen Getriebegehäusen und dem jeweils dazugehörenden Schleusenmeisterhäusern, die aber in der Zwischenzeit überwiegend von anderen Menschen bewohnt werden. Ab und zu wohnt noch ein ehemaliger, heute im Rentenstand stehender Schleusenmeister in „seinem Haus“, der dann jeweils herauskommt und zuschaut oder auch mit anfasst, aber vor allem den Besuch zu einem Schwatz mit seinem aktiven Kollegen nutzt. Um 20.00 h ist nach einem letzten Schwatz mit den anderen Bootskollegen Schlafsackzeit, denn es wird kalt und feucht. 

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

07.11.05

Bayard sur M.

08.30

Villiers sur Marne

17.30

16

731

16

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

165

09.00

211.55

06.30

192.00

28.30

0,00

874,64

Dienstag, 08.11.05

Man merkt jetzt doch schon, dass wir November haben. In der Nacht hat es sich ganz gut abgekühlt, also gilt es, die Zeit zwischen aus dem Schlafsack kommen und angezogen zu sein, kurz zu halten. Das Zeug zum Anziehen ist leicht klamm, erwärmt sich am Körper aber schnell. Ich hätte die Webasto- Standheizung in Deutschland doch noch reparieren lassen müssen. Katzenwäsche, die Bartstoppel entwickeln sich langsam zum Bart. Wenn man darüber streicht, kratzt er nicht mehr, sondern fühlt sich schon flauschig an. Trotzdem soll er bei der nächsten Gelegenheit wieder weg. Um 07.30 h klingelt der Wecker, um 09.00 h ist Termin mit dem Schleusenmeister an der nächsten Schleuse vereinbart. Meine beiden Bootsnachbarn sind schon um 08.00 h gestartet, so dass ich heute wieder alleine starte. An der ersten Schleuse, an der ich pünktlich um 09.00 h ankomme, erwartet mich eine Schleusenmeisterin, die mich dann bis Mittag mit dem Auto begleitet. Um 11.00 h überhole ich dann ein dänisches Motorboot, das sich mir anschließt. Auf diesem Boot, kleiner als meines, sind zwei Pärchen und ein etwa 14- jähriger Junge und ein großer Bordhund untergebracht. Sie sind schon seit Juli dieses Jahres von Marstal aus unterwegs und wollen bis zur Saone. Von dort soll es dann mit dem Auto zurückgehen, das Boot dort liegen bleiben und durch die Eltern eines Paares dann ab März nächsten Jahres zurück überführt werden. Aber mit 5 Personen und Hund auf so einem Boot, das ist schon eine Herausforderung. In Roocourt macht die Schleusenmeisterin ihre Mittagspause, so dass wir auch hier 1,5 h festliegen.

Das dänische Boot voraus

Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und ich sonne mich in der Plicht sitzend. Um 13.30 h fahren wir weiter bis nach Chaumont, wo es laut Flussführer und Schleusenmeisterin Strom geben soll. Auf dem Wege dahin durchqueren wir noch den Tunnel von Conges, der aber mit seinen 300 m Länge wenig aufregend ist. Um 16.00 h mache ich in Chaumont am Anleger fest, nachdem ich mich schon bei der letzten Schleuse von der Schleusenmeisterin verabschiedet hatte und eine Verabredung mit einem ihrer Kollegen für die nächste Schleuse am nächsten Morgen für 09.00 h verabredet hatte. Die Dänen bleiben, weil sie für ihre letzte kurze Strecke noch viel Zeit haben, hier noch einen Tag liegen. Ein Stromanschluss ist am Anleger vorhanden, aber wie gewohnt, abgeschaltet. Ich telefoniere wieder mit der Stadtverwaltung und man sagt mir zu, dass auch hier der Strom noch wieder angeschaltet werden soll. Aber trotz meines Wartens kommt keiner. In der Zwischenzeit habe ich mich etwas umgeschaut und 100 m vom Anleger entfernt, ein kleines Hotel mit Restaurant gesehen. Dort buche ich mich kurz entschlossen ein. 30 € kostet die Übernachtung einschließlich Frühstück, dafür habe ich eine heiße Dusche und ein warmes Bett. Auch mein Bart fällt. Außerdem gibt es im Restaurant noch ein gutes Abendessen (ich bin allerdings einziger Gast), so dass ich satt und weinselig um 22.30 h  ins warme Bett falle.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

08.11.05

Villiers sur M.

09.00

Chaumont

16.00

16

747

14

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

179

07.00

218.55

4.30

196.30

33.00

 

874,64

Mittwoch, 09.11.05

Um 07.00 h klingelt der Handywecker im Hotel. Mit heißem Wasser geduscht, in die warmen Klamotten gestiegen und in Ruhe im Hotel gefrühstückt. Um 08.30 h zum Boot gegangen, um 08.50  abgefahren und um 09.00 h vor der nächsten Schleuse gestanden, wo mich schon mein nächster Schleusenmeister erwartet. Nach 7 Schleusen erreichen wir gegen Mittag Foulain, wo der Schleusenmeister seine Mittagspause macht. Dort mache ich mir auch ein warmes Mittagsessen an Bord. Um 13.30 h geht es dann weiter in Richtung Rolampont, wo auf jeden Fall ein Stromanschluss sein soll. Bei der letzen Schleuse vor dem Anleger in Rolampont verlässt mich der Schleusenmeister, nachdem wir auch schon den ersten Schleusentermin für den nächsten Tag vereinbart hatten. Ich fahre durch Rolampont, sehe jedoch keinen Anleger. Ich fahre bis zur nächsten Schleuse weiter, die natürlich, weil heute keiner mehr kommt, einsam und verlassen da liegt. Das kann doch nicht sein. Alle haben von dem Anleger in Rolampont gesprochen und nun ist er nicht da. Halt, ich bin doch in Rolampont an einer am Ufer liegenden Peniche vorbeigefahren. Versteckt sich etwa hinter ihr der Anleger. Also zurück und das Gelände genau betrachtet. Richtig, hinter der Peniche gibt es eine Parkbank und den obligatorischen Mülleimer, das Kennzeichen des Mindeststandards für Anleger. Ich lege außen an der Peniche an, rufe, aber keiner meldet sich, obwohl auf ihr Licht brennt. Also gehe ich über die Peniche an Land und siehe da, hinter ihr versteckt sich der kleine Anleger. Der Anleger ist maximal 20 m lang, die Peniche misst 40 m, da kann der Anleger schon mal verschwinden. Auch eine Stromsteckdose ist vorhanden. Ich gehe mit dem Stromprüfer an sie heran und siehe da, es gibt Strom. Schnell ist das Landkabel über die Peniche an Land verlegt und die Heizung an Bord läuft. Das tut gut, denn am Nachmittag hatte es zu nieseln angefangen und so konnte das Boot schön austrocknen. Abendessen gibt es an Bord und um 21.00 h gehe ich im warmen Boot schlafen. Die Nächte werden jetzt doch schon kälter, aber die Heizung sorgt dafür, dass ich in der Kabine um die 20 Grad habe.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

09.11.05

Chaumont

08.50

Rolampont

16.30

15

762

15

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

194

07.40

226.35

05.00

201.30

38.00

0,00

874,64

Typisches Schleusenmeisterhaus am Canal de la Marne a la Saone

Man merkt jetzt doch schon, dass wir November haben. In der Nacht hat es sich ganz gut abgekühlt, also gilt es, die Zeit zwischen aus dem Schlafsack kommen und angezogen zu sein, kurz zu halten. Das Zeug zum Anziehen ist leicht klamm, erwärmt sich am Körper aber schnell. Ich hätte die Webasto- Standheizung in Deutschland doch noch reparieren lassen müssen. Katzenwäsche, die Bartstoppel entwickeln sich langsam zum Bart. Wenn man darüber streicht, kratzt er nicht mehr, sondern fühlt sich schon flauschig an. Trotzdem soll er bei der nächsten Gelegenheit wieder weg. Um 07.30 h klingelt der Wecker, um 09.00 h ist Termin mit dem Schleusenmeister an der nächsten Schleuse vereinbart. Meine beiden Bootsnachbarn sind schon um 08.00 h gestartet, so dass ich heute wieder alleine starte. An der ersten Schleuse, an der ich pünktlich um 09.00 h ankomme, erwartet mich eine Schleusenmeisterin, die mich dann bis Mittag mit dem Auto begleitet. Um 11.00 h überhole ich dann ein dänisches Motorboot, das sich mir anschließt. Auf diesem Boot, kleiner als meines, sind zwei Pärchen und ein etwa 14- jähriger Junge und ein großer Bordhund untergebracht. Sie sind schon seit Juli dieses Jahres von Marstal aus unterwegs und wollen bis zur Saone. Von dort soll es dann mit dem Auto zurückgehen, das Boot dort liegen bleiben und durch die Eltern eines Paares dann ab März nächsten Jahres zurück überführt werden. Aber mit 5 Personen und Hund auf so einem Boot, das ist schon eine Herausforderung. In Roocourt macht die Schleusenmeisterin ihre Mittagspause, so dass wir auch hier 1,5 h festliegen. Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und ich sonne mich in der Plicht sitzend. Um 13.30 h fahren wir weiter bis nach Chaumont, wo es laut Flussführer und Schleusenmeisterin Strom geben soll. Auf dem Wege dahin durchqueren wir noch den Tunnel von Conges, der aber mit seinen 300 m Länge wenig aufregend ist. Um 16.00 h mache ich in Chaumont am Anleger fest, nachdem ich mich schon bei der letzten Schleuse von der Schleusenmeisterin verabschiedet hatte und eine Verabredung mit einem ihrer Kollegen für die nächste Schleuse am nächsten Morgen für 09.00 h verabredet hatte. Die Dänen bleiben, weil sie für ihre letzte kurze Strecke noch viel Zeit haben, hier noch einen Tag liegen. Ein Stromanschluss ist am Anleger vorhanden, aber wie gewohnt, abgeschaltet. Ich telefoniere wieder mit der Stadtverwaltung und man sagt mir zu, dass auch hier der Strom noch wieder angeschaltet werden soll. Aber trotz meines Wartens kommt keiner. In der Zwischenzeit habe ich mich etwas umgeschaut und 100 m vom Anleger entfernt, ein kleines Hotel mit Restaurant gesehen. Dort buche ich mich kurz entschlossen ein. 30 € kostet die Übernachtung einschließlich Frühstück, dafür habe ich eine heiße Dusche und ein warmes Bett. Auch mein Bart fällt. Außerdem gibt es im Restaurant noch ein gutes Abendessen (ich bin allerdings einziger Gast), so dass ich satt und weinselig um 22.30 h  ins warme Bett falle.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

08.11.05

Villiers sur M.

09.00

Chaumont

16.00

16

747

14

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

179

07.00

218.55

4.30

196.30

33.00

 

874,64

Donnerstag, 10.11.05

Um 07.30 h klingelt der Wecker. Ich bin noch beim Kaffeekochen, da klopft der Schleusenmeister an mein Boot und fragt, ob wir statt um 09.00 h schon um 08.15 h bei der ersten Schleuse schleusen könnten. „Natürlich“ ist meine Antwort. Schnell wird das Landkabel eingeholt und der Motor angeworfen. An der Schleuse angekommen, sehe ich auch warum. Vor mir wird gerade eine Peniche geschleust, die noch am frühen Morgen an mir vorbeigefahren sein muß, ohne dass ich es mitbekommen hatte. Die beiden Schleusenmeister, einer für die Peniche und einer für mich, wollten wohl zusammen die Schleusen abarbeiten. Allerdings ist die Peniche deutlich langsamer als ich und auch die Schleusung dauert bei ihr länger, denn sie muss aufgrund ihrer Größe viel langsamer in die Schleuse einfahren als ich. Wenn sie in der Schleuse ist, gibt es an jeder Seite maximal 5 cm Freiraum und auch in der Länge ist nicht viel mehr Platz. Nach zwei Schleusen hat mein Schleusenmeister ein Einsehen mit mir, ich kann die Peniche im Kanal überholen und wieder mit mehr Speed fahren. Heute erreiche ich gegen Mittag die Scheitelhaltung des Canal de la Marne a la Saone. Um 12.00 h erreiche ich die letzte Schleuse vor der Einbahnstrecke vor dem Tunnel Balesmes. Jetzt bin ich 340 m hoch, nach dem Tunnel sind alle Schleusen bis zum Mittelmeer für mich nur noch talwärts. 71 Schleusen habe ich jetzt ab Vitry, also dem Beginn meiner Fahrt auf diesem Kanal, bergauf bewältigt. Die Scheitelhaltung ist 10 Km lang, 7,3 Km einschließlich des 4,8 Km langen Tunnels müssen im Einbahnverkehr bewältigt werden. Nach der letzen Schleuse muss ich liegen bleiben, weil mir in etwa zwei Stunden noch zwei Penichen entgegen kommen würden, dann könnte ich starten. Diese sind dann doch etwas schneller, so dass ich kurz nach 14.00 h starten kann zu der Fahrt durch meinen zweiten, langen Tunnel
Hier fährt man jedoch mit eigener Kraft, so dass mir das lärmende Ungetüm von dem Tunnel von Mauvages erspart bleibt. Nach knapp einer Stunde bin ich durch den Tunnel. Vor mir liegen jetzt noch 43 Schleusen, bis ich die Saone erreichen werde. Heute will ich jedoch nur noch eine Schleusentreppe mit 8 Schleusen durchfahren. Dieses sind automatische Schleusen mit jeweils 4 bis 5 m Hub, die direkt, das heißt im Abstand von wenigen hundert Metern hintereinander liegen. Von der obersten Schleuse kann man auf die darunter liegenden herunterschauen. Sie bewältigen insgesamt einen Höhenunterschied von gut 35 m. Das talwärts Schleusen mit nur wenig Strömung im Schleusenbecken geht wieder viel leichter, ich brauche das Boot kaum an der Schleusenmauer festzuhalten. Üblicherweise halte ich das Boot an einer der Schleusenleitern fest, dort kann ich die Festmacherleine kurz umstecken und brauche keine langen Slipleinen. Aber hier ist die blaue Betätigungsstange für das Starten des Abwärtsschleusen nicht mit der Leiter in räumlicher Nähe. So fahre ich erst an die Stelle in der Schleuse, wo die Stange montiert ist, starte mit ihr den Prozess des Abwärtsschleusen, dann begebe ich mich schnell zu dem Standort der Leiter, wo ich mich, d. h. das Boot, dann festhalten will, in der Hoffnung, das es bis dahin noch nicht abwärts geht. Aber nach ein bisschen Training klappt das ganz gut. Genug Schleusen zum Üben hab ich ja. Nach der Schleuse 8 ist ein Anleger vor einem Silo vorhanden. Dort will ich festmachen. Aber an der Pier gibt es nur zwei Festmacher, die schon durch einen, langsam vor sich hin rottenden, Leichter belegt sind. Was tun? Die Landfläche ist asphaltiert, so dass meine Landanker hier nicht helfen. Aber hinter dem obligatorischen Treidelweg, der aber auch von Autos benutzt wird, steht ein Strommast. Also mache ich das Boot mit Heckleine an dem Leichter fest und vorne lege ich den Festmacher um den Strommast. Das Problem ist nur, das mein Festmacher jetzt quer über den Fahrweg geht. Wenn da jemand im Dunklen fährt, geht das schief. Hundert Meter weiter ist der Treidelweg wegen Baumaßnahmen mit Warnbaken und mobilen Verbotsschildern gesperrt. Also verlege ich kurz entschlossen die Baustelle um meinen Festmacher herum und kann nun beruhigt das Boot so liegen lassen. Morgen ist der nächste Feiertag in Frankreich, also muss ich hier zwei Tage liegen bleiben. Im Umfeld um den Liegeplatz gibt es außer dem Silo und einen Bauernhof keine Infrastruktur, aber der Ort Villegusien ist nur 500 m entfernt. Also mache ich mich auf den Weg in den Ort und frage bei der ersten Möglichkeit nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ja, in der Ortsmitte gäbe es ein Hotel, aber ob das offen hätte? Nach 200 m stehe ich vor dem Hotel, das aus einer Dorfbar, einem Restaurant und auch einem Hotelschild besteht. Die Dorfbar ist voll mit den Einheimischen, die dort mit Rotwein, Pastis und Bier die Dorferlebnisse diskutieren. Der Kneipenwirt ist sich auf mein Fragen nicht sicher, ob der Hotelbetrieb geöffnet hätte. Eigentlich ist keine Saison und geschlossen, aber er würde seine Frau fragen. Seine Frau hat Einsehen mit mir und erklärt die Saison für wieder eröffnet. Ob ich denn auch Hunger hätte, ist ihre nächste mitfühlende Frage an den armen Kanalfahrer. Nachdem die Frage von mir deutlich bejahend beantwortet war, leuchteten ihre Augen und ich war mir sicher, hier gut versorgt zu werden. Also ging es noch einmal kurz zum Boot, um den Rucksack mit den notwendigen Utensilien für den morgigen Tag, bzw. zwei Übernachtungen zu packen, dann ging es im Dunklen mit Hilfe einer Taschenlampe zurück zum Hotel. Nach einer kurzen, heißen Dusche ging es in den Speisesaal, in dem ich als einziger Gast dann ein vorzügliches Abendessen vorgesetzt bekam. Es wären zwar nur Reste, aber für Reste war das 4- Gänge- Menü sehr gelungen. Satt und müde bin ich dann schlafen gegangen. 

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

10.11.05

Rolampont

08.20

Villeguesien

17.00

13

775

17

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

211

08.40

235.15

05.00

206.30

43.00

50,00

924,64

 

 

Einfahrt in den Tunnel Balesmes

Freitag, 11.11.05

Französischer Feiertag (Frieden 1918). Überall hängen Fahnen, es gibt auch Aufmärsche der Veteranen. Auch für mich ist Feiertag. Im warmen Hotelzimmer kann ich lange ausschlafen, dann heiß duschen. Im Restaurant wartet schon mein Frühstück. Ich frage meine Wirtin, was ich heute so an Kulturellem hier tun könnte. Nach einem Blick aus dem Fenster, draußen ist blauer Himmel und Sonnenschein, empfiehlt sie mir einen Besuch der alten Festungsstadt Langres. Sie, die auf einem Berg liegend, mit einer noch intakten Festungsmauer umgeben ist, habe ich gestern schon bei meiner Fahrt zur Rechten liegend, aus der Entfernung bewundern können. Also lasse ich mir eine Taxe bestellen und mich von dieser nach Langres bringen. Der Taxifahrer spricht recht gut deutsch, so das die Kommunikation problemlos klappt. In Langres angekommen, vereinbaren wir, dass ich ihn anrufe, wenn ich wieder zurück möchte. Langres ist wirklich eine sehenswerte Stadt. Man kann auf der Festungsmauer komplett um den Stadtkern herumgehen und da auf dem Berg liegend, nach allen Seiten weit ins Land schauen. Am schönsten Platz steht ein altes Kloster mit einer eindrucksvollen Kirche. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes in dem Festungsring gibt es nur schmale Gassen, von denen viele Fußgängerzonen sind. Obwohl sehr viele Touristen hier sind, hat man jedoch den alten Charakter des Ortes gut erhalten. Auf dem Marktplatz setze ich mich in der Sonne in ein Straßencafe und lasse die Menschen an mir vorbeiflanieren. Nachmittags verliert die Sonne jedoch an Kraft und es wird, da ein kalter Wind weht, frisch. Also rufe ich meinen Taxifahrer an, der mich auch prompt wieder abholt. Abends werde ich im Hotel noch einmal mit „Resten“ verwöhnt, dann geht es früh schlafen.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

11.11.05

Villeguesien

 

Villeguesien

 

0

775

0

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

211

0

235.15

0

206.30

43.00

70,00

994,64

Samstag, 12.11.05

Heute klingelt der Wecker im Hotel schon um 06.30 h. Schließlich möchte ich neben dem Duschen ja auch noch das Frühstück im Restaurant in Ruhe und mit Zeit genießen. Um 08.00 h mache ich mich mit dem Rucksack wieder auf den Weg zum Boot, das mich schon ungeduldig, allein an der Pier liegend, erwartet. Meine Baustellenschilder sind auch noch da, es ist auch keiner gegen meinen Festmacher gefahren. Schnell stelle ich die Baustellenschilder wieder auf ihren ursprünglichen Platz, dann wird der Motor gestartet und die Fahrt geht wieder los. Allerdings nur für einen Tag, denn in diesem Abschnitt des Kanals wird sonntags nicht geschleust. Um 08.30 stehe ich vor der ersten Schleuse für heute, wo mich der Schleusenmeister auch schon erwartet. Er begleitet mich jedoch nur für diese und die nächste Schleuse, dann folgen automatische Schleusen. Wie schon gewohnt, steht die erste automatische Schleuse auf Rot und will trotz mehrfachen Vorbeifahrens an der Radarstelle nicht reagieren. Also ist wieder Telefonieren angesagt. Man sagt mir zu, die Schleuse vorzubereiten und wirklich, nach einigen Minuten geht die Lichterführung auf rot/ grün, ein sicheres Zeichen dafür, das jetzt der Schleusenvorgang abläuft. Kurz danach kann ich auch in das Schleusenbecken einfahren. Wahrscheinlich hat man auch hier nicht mit Booten gerechnet und die Schleuse nicht „scharf gemacht“. Die nächsten automatischen Schleusungen verlaufen unproblematisch. An der Schleuse 22 hängt eine Tafel an dem Schleusenmeisterhaus mit der Aufschrift „declaration“. Mein Flussführer hat zwar hier keinen Hinweis für mich, aber nachdem ich in das Schleusenbecken eingefahren bin, gehe ich vor dem Beginn der Abwärtsschleusung hier zu dem Schleusenwärterhaus. Dort gibt es ein kleines Büro mit einem Schleusenmeister, der vor einem uralten,  glühenden Kohleofen sitzt und sich ein Mittagessen warm macht. Dieser erzählt mir, dass jetzt Mittagszeit wäre, aber hier die automatischen Schleusen zu Ende wären und er nach der Mittagspause mit mir dann die nächsten manuellen Schleusungen machen würde. Ich erzähle ihm, dass ich jetzt hier schon durchschleusen würde und dann langsam bis zur nächsten Schleuse weiterfahren würde. Dort treffen wir uns dann nach seiner Mittagspause und fahren dann noch weiter bis zur  letzten manuellen Schleuse vor dem nächsten, im Flussführer vermerkten Anleger vor der Schleuse 29. Dort soll dann für heute, es ist inzwischen schon fast 17.00 h, Schluss sein. Dort muss ich jedoch, da morgen Sonntag ist, wieder zwei Nächte liegen bleiben. 500 m vor der Schleuse ist der Anleger. Er liegt mitten im Wald und besteht aus zwei Pollern, einer 10 m langen Betonpier und dem obligatorischen Papierkorb. Der nächste Ort ist 2,5 Km entfernt. Langsam wird es dunkel, in der Ferne schimmert ein Licht von dem Schleusenmeisterhaus. Ansonsten ist hier wirklich nur Natur. Also hier für zwei Nächte bleiben und das ohne Strom, das wird ganz schön einsam. Ich klare das Boot auf, dann rufe ich anhand der mir vom Schleusenmeister an der letzten Schleuse gegebenen Telefonnummer das örtliche Taxenunternehmen an mit dem Ziel, das es mich zum nächsten Ort bringt, in der Hoffnung, dort wieder ein Hotel zu finden. Das Taxenunternehmen meldet sich auch, bedauert jedoch mich nicht fahren zu können, da die beiden Taxen auf dem Weg in die nächste Großstadt, nach Dijon, wären. Morgen könnte man mir eine Taxe vorbeischicken. Diese Antwort begeistert mich verständlicherweise nicht, denn ich habe die letzten Tage den Genuss von warmen Hotelzimmern schätzen gelernt und hier in der Einöde zwei Nächte zu verbringen, gefiel mir nicht so. Zu Fuß mache ich mich auf den Weg zu dem Schleusenhaus, in der Zwischenzeit ist es dunkel, wo mich als erstes zwei Hunde stürmisch begrüßen. Dann kommt die Familie, die in dem Haus wohnt, vor die Tür, um zu schauen, warum die Hunde so bellen. Ich frage sie nach einem zweiten Taxiunternehmen und schildere ihnen meine Situation. Schnell wird mir Hilfe zuteil. Während die Frau telefoniert, ob das im nächsten Ort befindliche Hotel Gäste aufnimmt, erklärt der Mann, das er mich dann mit seinem Wagen in den nächsten Ort bringen würde. Das Hotel hat zwar auch zu, will mich aber trotzdem beherbergen. Der Mann bringt mich dann erst zum Boot, wo ich wieder meinen Rucksack packe und dann gut 3 Km in den nächsten Ort, Saint- Seine, und liefert mich dort in der Dorfkneipe, die von den Einheimischen gut besucht ist, ab. Die Frage, ob ich ihn zu einem Getränk einladen könnte, lehnt er dankend ab und ist schon wieder auf der Rückfahrt. Das Hotel ist uralt, aus Feldsteinen gebaut mit Holzdecken und Holzböden. Die Kneipe und der daneben liegende Restaurantraum werden allein und ausschließlich mit einem offenen Holzfeuer in zwei riesigen Kaminen geheizt. Zu meinem Zimmer müssen wir über den Hof, dann geht es in einem alten Turm eine ausgetretene, alte Natursteintreppe bis in den 1. Stock, wo mir die Chefin dann mit einem alten, riesigen Bartschlüssel eine schwere Zimmertür öffnet. Dahinter ein großes Schlafzimmer mit einem richtigen Himmelbett und einem alten, ebenso großen Schlafzimmerschrank aus massivem Holz. Ich schätze die Möbel auf mindestens 200 Jahre, aber wie ich später feststelle, ist die Matratze jüngeren Datums und ich kann herrlich in dem Himmelbett schlafen. Hinter diesem Zimmer befindet sich noch ein zweites Schlafzimmer, bevor man dann in das Bad kommt. Dies ist auch schon sehr alt, hat aber frisches, heißes Wasser in der Badewanne. Geheizt wird hier mit elektrischen Radiatoren, eine Zentralheizung gibt es hier scheinbar nicht. Vorsichtig frage ich nach dem Preis meiner Zimmerflucht und bekomme einen Preis von 30 € einschließlich Frühstück genannt. Eine Stunde später sitze ich im Restaurant vor dem Kamin und bekomme ein hervorragendes Abendmenü. Ich weiß zwar nicht, was ich gegessen habe, aber es hat gut geschmeckt und auch der Tischwein war hervorragend. So lässt sich das Leben ertragen. Gegen 22.00 h falle ich müde und satt in mein Himmelbett.

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

12.11.05

Villeguesien

08.30

Saint-Seine

16.50

17

792

20

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

231

08.20

243.35

07.00

213.30

50.00

50,00

1.044,64

Sonntag, 13.11.05

Morgens ist ausschlafen angesagt. Gegen 10.00 h  stehe ich auf, dusche in Ruhe und gehe dann frühstücken. Danach gibt es einen Spaziergang durch Saint- Seine. Heute scheint auch wieder die Sonne und es ist 15 bis 20 Grad warm. Ich bewege mich hier auf historischem Gelände. Der Ort existiert um ein großes, herrschaftliches Schloss herum, das, so künden es Tafeln, von Henry dem IV. errichtet wurde. Irgendwo hat hier einmal eine bedeutende und siegreiche Schlacht stattgefunden und das Schloss wurde gebaut, damit man auf das ehemalige Schlachtfeld schauen kann. Viele der Häuser sind aus der gleichen Zeit, einige davon auch sehr herrschaftlich. Jetzt weiß ich auch, wo mein Bett herkommt und die uralten Gobelins in meinem Zimmer. Die standen bzw. hingen sicher auch einmal im Schloss oder in einem der anderen herrschaftlichen Gebäude. Im Sommer kann das Schloss auch besichtigt werden, jetzt in der Winterzeit wird es von einer Meute grimmig schauender Bluthunde bewacht.

Die „Heilquelle“ von Saint- Seine

Hier klettert keiner über den Zaun. Außerhalb des kleinen Ortes gibt es in einem Waldstück noch eine Quelle, die als Bad ausgebaut ist. Hier hat wahrscheinlich Henry IV. dann sein Ischias behandelt. Ansonsten hat man die Sehenswürdigkeiten des Ortes sehr schnell abgearbeitet, so dass sich an meinem Spaziergang ein längerer Mittagsschlaf anschließen konnte, bis das ich dann zum Abendessen meinen Platz vor dem Kamin wieder eingenommen habe. Gestern Abend war neben mir noch ein Pärchen im Restaurant, heute bin ich der einzige Gast. Auch heute geht es früh schlafen, schließlich geht es morgen früh wieder los.

Das Taxenunternehmen will mich morgen früh um 07.30 h vor dem Hotel abholen und zum Boot zurückbringen.

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

13.11.05

Saint-Seine

 

Saint-Seine

 

0

792

0

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

231

0

243.35

0

213.30

50.00

50,00

1.094,64



Montag, 14.11.05

Um 06.00 h klingelt der Wecker, dann muss ich noch das heiße Wasser in der Badewanne nutzen und noch im Hotel frühstücken. Um 07.30 h stehe ich vor dem Hotel und die Taxe ist pünktlich. Kurz vor 08.00 h bin ich wieder beim Boot, das in der Wildnis noch genau so da liegt, wie ich es verlassen hatte. Kurz danach bin ich vor der nächsten Schleuse, die als Automatikschleuse auch schon „scharf geschaltet“ ist. Im Schleusenbecken steige ich vor dem talwärts Schleusen noch einmal aus und hänge den netten Schleusenhausbewohnern, die mir am Samstagabend so lieb geholfen hatten, noch eine Flasche Wein an den Gartenzaun. Am Morgen ist es noch recht frisch, ich schätze gerade über Null, dann wärmt die Sonne aber das Boot und die Umgebung auf. Ab der nächsten Schleuse geht es wieder manuell weiter, das heißt mit Schleusenmeister. 15  manuelle Schleusen sind jetzt bis zum Übergang in die Saone noch zu durchfahren, dann ist auch der Canal de la Marne a la Saone mit einer Länge von 224 Km und 114 Schleusen, 71 bergauf und 43 wieder runter, geschafft. Um 15.00 h verlasse ich den Kanal und fahre auf die Saone. Direkt vor mir liegt dann die erste Schleuse auf der Saone, die Schleuse Heuilley. Hier muß ich jedoch eine halbe Stunde warten, weil die Peniche, die stromauf schleusend, in der Schleusenkammer ist, dort erst einmal Wasser tankt. Aber dann kann ich in die Schleusenkammer einfahren und tanke dann auch gleich noch Wasser. Etwa zwei Flusskilometer nach der Schleuse kommt der Sportboothafen Pontailler- sur- Saone.

Ecluse Heuilley, die erste Schleuse auf der Saone

Unter einer Brücke durchfahrend verlässt man dort die Saone und fährt in ein geschütztes Hafenbecken. Dort ist eine Charterstation mit ca. 25 Kanalschiffen untergebracht, die neben der Vermietung im Sommer im Winter jetzt ihre Boote überholt und mit drei Mann vor Ort sind. Dort finde ich einen sicheren Liegeplatz mit Strom- und Wasseranschluss und Beaufsichtigung durch die Mannschaft der Charterfirma. Ich beschließe, hier meine Fahrt zu unterbrechen und von hier für gut eine Woche nach Berlin zurückzukehren. Im Büro der Charterfirma frage ich, wie ich denn von hier am besten weg komme. Der Inhaber erzählt mir, dass er in einer halben Stunde nach Dijon mit dem PKW fahren würde und wenn ich wollte, er mich nach dort mitnehmen würde. Dort gibt es alle Möglichkeiten, weiter zu kommen. Schnell packe ich meine Sachen und steige eine halbe Stunde später in sein Auto, um mit ihm die 35 Km nach Dijon zu fahren. Bis hierhin habe ich eine wundervolle, erlebnisreiche Fahrt ohne große Probleme gehabt. In Dijon bringt er mich bis zum Hauptbahnhof, wo ich mich dann nach Zugverbindungen erkundige. Die sind jedoch grenzüberschreitend sehr schlecht, so dass ich mir am Bahnhof einen Mietwagen miete und damit nach Berlin zurückfahre, um dort für eine Woche noch einiges zu regeln, bis die Fahrt weitergeht.

 

 

Tag

Startort

Startzeit

Zielort

Zielzeit

Etmal

Ges.

Anz.

 

 

 

 

 

 

Etmal

Schl.

14.11.05

Saint-Seine

08.00

Ponteiller

16.15

14

806

16

 

 

Ges.

Fahr-

Ges.

Mot. h

Ges.

Mot. h s.

Tages-

Ges.-

Schl.

zeit

Fahrzeit

 

Mot. h

Tanken

Kosten

Kosten

247

08.15

251.50

05.00

218.30

55.00

8,00

1.102,64

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fahrtensegeln.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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