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Seenotretter: Die die rausfahren, wenn alle anderen reinkommen

Der Seenotkreuzer Hannes Glogner im Einsatz<br>(Foto: Helmut Hofer)

Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sichern auf 54 Stationen die deutsche Küste – von Borkum bis Ueckermünde. Von den 980 Seenotrettern sind 800 Freiwillige, die auf einer Flotte von 61 Schiffen Hilfe im Seenotfall leisten.

Die DGzRS wurde 1865 in Kiel als Bürgerinitiative gegründet. Als solche wird sie bis heute allein durch Spendengelder finanziert. Bevor die DGzRS ins Leben gerufen wurde, galt an der deutschen Küste allgemein das Strandrecht. Dieses besagte, dass bei Schiffbruch die an Land gespülte Ladung den meist bitterarmen Küstenbewohnern zustand. Unter der Voraussetzung allerdings, dass kein Besatzungsmitglied mehr am Leben war um Anspruch auf die Ladung zu erheben. So konnten häufig Überlebende nicht auf die Hilfe der Landbevölkerung hoffen. Mehr noch: Mit falschen Leuchtfeuern wurden Schiffe oftmals absichtlich auf Riffe geleitet und zum Kentern gebracht.

Historisches Ruderrettungsboot (Gemälde von Claus Bergen/Foto: DGzRS)

Anfangs standen der DGzRS nur Ruderboote zur Verfügung. Ab 1911 wurden erstmals Boote mit Benzinmotoren eingesetzt. Nach dem ersten Weltkrieg wurden diese wiederum durch verdeckte Dieselmotorboote ersetzt. 1957 wurde zu Ehren des damaligen Bundespräsidenten und Schirmherrn der DGzRS Theodor Heuss ein Seenotkreuzer auf dessen Namen getauft. Damit begann eine neue Ära moderner und technisch höher entwickelten Rettungsboote.

Heute besteht die Flotte der DGzRS aus 61 Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten. Unter den 980 Seenotrettern sind 30 bis 40 Frauen tätig. Die Zentrale der DGzRS sitzt in Bremen, von dort koordiniert die Seenotleitung die Einsätze. Seit der Gründung der DGzRS am 29. Mai 1865 bis Oktober 2012 konnten von den Seenotrettern 80.189 Menschen aus Seenot und Gefahrensituationen gerettet werden.

Übung der Seenotretter (Foto: DGzRS)

Die fest angestellten Seenotretter arbeiten im Normalfall in 14-tägige Schichten, bei denen sie auf den Seenotkreuzern Einsätze und Patrouillen fahren. Der größte Teil der Seenotretter, die 800 Freiwilligen, stehen 24 Stunden am Tag auf Abruf bereit. Über Mobiltelefone informiert, sind die Teams oft innerhalb von fünf Minuten bereit auszufahren. Die Freiwilligen werden umfangreich in SAR-Sicherheit, Seemannschaft und Navigation ausgebildet. Bei den Festangestellten kommen außerdem Technik, medizinische Notfallversorgung, Koordinierung und Kommunikation hinzu. Alle Seenotretter werden ständig weitergebildet.

Seit ihrer Gründung wurde die DGzRS ohne staatliche Unterstützung finanziert. Der Jahresetat von rund 30 Mio Euro wird allein durch Spendengelder aufgebracht. Seit 1875 gibt es die Sammelschiffchen, die kleinsten Boote der Flotte. Die 32 cm langen Seenotrettungsbootmodelle können ausgeliehen werden und sollen an öffentlichen Orten ausgestellt mit Spenden gefüllt werden. Bei der DGzRS gilt das Motto: „Bei uns geht Ihre Spende garantiert nicht unter.“

Birte Kurbjeweit

Weitere Informationen:

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
Werderstraße 2
28199 Bremen
Telefon: +49 (0)421 / 53 707 - 0
Telefax: +49 (0)421 / 53 707 - 690
www.seenoretter.de


Alarmierung in Seenotfällen:

SEENOTLEITUNG (MRCC) BREMEN über die UKW-Kanäle 16 und (DSC) 70, BREMEN RESCUE RADIO mit dem Rufnamen "Bremen Rescue",
Telefon: +49 (0)421 / 53 68 70.
Mobil-Telefonnummer 124 124 im Abdeckungsbereich der deutschen Mobilfunknetze an der deutschen Nord- und Ostseeküste sowie über die Seenotkreuzer der DGzRS und die internationale Schifffahrt auf den entsprechenden Sprechfunknotfrequenzen und im DSC-Verfahren (UKW, GW, KW)

Michael Heinzius ist einer der 800 freiwilligen Seenotrettern. Seit fast zehn Jahren ist er Vormann der Station Hörnum auf Sylt.

Zum Interview ...hier

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