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Sommer-Segeltörn auf Napoleons Spuren: Von Elba nach Korsika

Porto Azzuro/Ostküste Elba

Salivoli – Elba – Korsika hieß die Route unseres diesjährigen Segeltörns. Schwache Winde und Traumwetter ließen uns dabei auch jede Menge Raum für kulturelle und kulinarische Entdeckungen

Elba, die Hauptinsel im toskanischen Archipel, war Ziel unseres diesjährigen Segeltörns. Wir folgten dabei den Spuren Napoleons und setzten von Elba, seinem Verbannungsort, aus zu seiner Heimatinsel Korsika über. Elba stellt die Grenze zwischen Ligurischem und Tyrrhenischem Meer da, was bei der Auswahl des SMS-Wetterberichtes etwas schwierig war. Zur Sicherheit haben wir deshalb beide Seegebiete abgerufen.
Die Crew bestand aus Holger (Skipper), Frank (Co-Skipper), Janus (Steuermann) und als Gast und oberschlesische Verstärkung Jan. Wir sind Mitglied im Kölner Yacht Club und dem Segeln verbunden, doch um es vorweg zu nehmen, wegen meist schwacher Winde war unser Hauptthema nicht das Segeln, sondern mindestens die Hälfte der Zeit widmeten wir uns kulinarischem Palaver und aktivem Essen und Trinken, der jeweiligen Region angepasst.

 

Salivoli Yachthafen

Anreise
Die Elba-Crew fand sich rechtzeitig zum Check-in auf dem Konrad Adenauer Flughafen ein. Da ich unbedingt ein Notebook in die große Segeltasche packen musste, hatte ich 3 kg Übergepäck, was von Germanwings mit 55 Euro Zuschlag und somit teurer als der Flugpreis berechnet wurde.

Pisa empfing uns mit kräftigen Regenschauern, die auch das Arbeitstempo des Flughafenpersonals beinflussten. Es dauerte unendlich lange, bis unsere Taschen ausgeladen waren, so dass unsere charmante italienische Begleiterin für den Transfer bereits eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte.

Die Fahrt nach Salivoli erfolgte unter sachkundiger Führung über die „Via Aurelia“ entlang der Küste und durch Teile der Toskana. Der Dauerregen ließ die Landschaft in kräftigen Erdfarben erscheinen, und die Tropfen auf den Scheiben erzeugten vielflächige Reflektionen. Das Wetter hatte aber auch den Vorteil, dass wir auf der sonst viel befahrenen SS1 fast allein unterwegs waren und wir unser Ziel Piombino-Salivoli zügig erreichten.

Die Bootsübernahme verlief freundlich und kompetent. Unser Schiff „Ola Bonita“, eine Sun Odyssey 35, Baujahr 2003, kam frisch aus der Werft. Unsere Vorgänger auf dem Schiff hatten immer alle Seeventile geschlossen – auch die Kühlwasserzufuhr zum Motor.

Ein zweigängiges Fischmenü mit lokalem Wein im unscheinbaren aber kulinarisch hoch stehenden Hafenrestaurant rundete den Tag ab.

 

Salivoli – Portoferraio – Marciana Marina
Der Morgen begrüßte uns für die Jahreszeit untypisch mit Regen und knappen 15°C. Die Sanitäranlagen in diesem relativ neuen Hafen waren sehr einladend. Bei diesigem, regnerischem Wetter ging es im bewegten Ligurischen Meer unter Motor mit Stützsegel Richtung Elba. Wir fühlten uns, in Ölzeug gehüllt, wie auf dem IJsselmeer im April.

Gegen 13 Uhr liefen wir den Hafen von Portoferraio vor der großartigen Kulisse der alten Befestigungsanlagen an. Die Altstadt von Portoferraio schmiegt sich wie ein Amphitheater mit dem Hafenbecken als Bühne und dem azurfarbenen Golf als Kulisse an einen steinigen Hang. So zumindest versprach es der Reiseführer; die Realität sah jedoch anders aus. Schauer und graue Wolken trieben uns schnell in eine Osteria. Dennoch konnten wir nachvollziehen, dass Napoleon hier einst gerne verweilte und die Insel nach seinen Vorstellungen gestaltete. Er wird in Elba generell als Förderer der Insel Elba verehrt und nicht als Gefangener.

Portoferraio/Elba

Gegen 13 Uhr liefen wir den Hafen von Portoferraio vor der großartigen Kulisse der alten Befestigungsanlagen an. Die Altstadt von Portoferraio schmiegt sich wie ein Amphitheater mit dem Hafenbecken als Bühne und dem azurfarbenen Golf als Kulisse an einen steinigen Hang. So zumindest versprach es der Reiseführer; die Realität sah jedoch anders aus. Schauer und graue Wolken trieben uns schnell in eine Osteria. Dennoch konnten wir nachvollziehen, dass Napoleon hier einst gerne verweilte und die Insel nach seinen Vorstellungen gestaltete. Er wird in Elba generell als Förderer der Insel Elba verehrt und nicht als Gefangener.

Nach dem touristisch geprägten italienischen Mittagstisch fuhren wir weiter in Richtung der vom Monte Cappane und von zwei Bergdörfern überragten Marciana Marina. Beim Einlaufen gegen 16 Uhr wurden wir mit den ersten Sonnenstrahlen empfangen. Über Elbas höchstem Berg rissen die Wolken auf und die im Westen stehende Sonne zeigte uns den Weg in den Hafen. Leider stand im Hafen noch ein stetiger Westwind, und mit der rechtsdrehenden Schraube scheiterte ein römisch-katholisches Anlegemanöver am äußersten Platz des Steges. So lagen wir mit dem Bug voran als erstes Schiff direkt am Ende der Mole.

Am Abend begann die kulinarische Tour der Selbstversorger mit den Smutjes Janus, Holger und Frank, bestens umsorgt vom Cabin-Boy Jan. Insalata Fagiole Canellini gefolgt von Spaghetti Marisco – alles aus frischen lokalen Zutaten und begleitet von lokalen Weinen.

Marciana Marina/Elba

Korsika empfing uns sehr freundlich. Macinaggio, ein kleines, schon in römischer Zeit als Handels- und Kriegshafen genutztes Städtchen mit netten Cafés an der Kaimauer. Hier verbrachten wir die Wartezeit bis zum Öffnen der Geschäfte mit dem ersten korsischen Pastis. Janus, Sohn einer französischen Mutter, blühte regelrecht auf und erledigte die Einkäufe. Jan erhielt von mir die erste Lektion im Tippfischen mit Käsekrümel auf blankem Haken und präsentierte uns später stolz seinen gefangenen Fisch. Leider blieb es während des gesamten Törns bei diesem einen Fisch.

Die Kräuter für das Abendessen wurden in der Macchia gepflückt. Nun zur französischen Küche gewechselt, bereitete Janus Escalope de boeuf à la minute, Patates rouges au romarin zu. Zum Nachtisch wurde Fromage de Corse mit Raisin muscat serviert. Das Essen wurde begleitet von einem korsischen Vin rouge.

Tippfischen in Macinaggio/Korsika

Macinaggio – Cap Corse – Bastia
Das Wetter hat sich noch mehr beruhigt. Bei 0 Windstärken brachen wir unter Motor auf, den nördlichsten Punkt Korsikas zu erreichen, das Cap Corse. An der vorgelagerten Insel Giraglia zelebrierten wir den „Besanschot an“ mit einem einheimischen Kräuterlikör genannt Cap Corse.

Ein kurzes Stück konnten die Segel gehisst werden. Auf Südkurs Richtung Bastia mussten wir wieder unser Volvosegel setzen und konnten dabei in aller Ruhe die von genuesischen Sarazenen-Wachtürmen gesäumte korsische Ostküste betrachten. Weit außerhalb zog eine dieser gelben Corsica-Ferries mit schneller Fahrt in Richtung Genua an uns vorbei. Die heranlaufende gewaltige Welle haben wir erst im letzten Moment gesehen und sie mit Vollgas und hart Ruder abgeritten. Jans Angel kam auf dieser Fahrt noch zu ihrem Einsatz. Es wurde jedoch kein Fisch, dafür aber eine ausgerauschte Fangleine des Lazy-Jack gefangen und wieder ordentlich belegt.

Ile de la Giraglia (Cap Corse) und Schnellfähre nach Genua

Im nördlich von Bastia gelegenen Hafen Port Toga machten wir fest. Ein Spaziergang in die Altstadt von Bastia mit dem malerischen Vieux Port bei hochsommerlichen Temperaturen war ein wundervolles Erlebnis. Bevor wir die Zitadelle bestiegen, nahmen wir eine kurze Auszeit am Hafenbecken in einem Bistro mit Café Latte und Pastis.

Ein nahe bei unserem Hafen gelegener Supermarché Géant Casino lud zum ausgiebigen Einkauf lokaler Köstlichkeiten ein. In den Einkaufswagen wanderten Saucisses Sanglier, Fromage de Brebis aux herbes und andere Spezialitäten. Zum Dinner wurden zwei Loup de Mer au four en fenouile, Romarin et Pastis, Riz et Ratatouille serviert. Natürlich haben wir dazu wieder lokale Weine genossen.

Vieux Port Bastia/Korsika

 

Bastia – Marina di Campo – Zurück nach Elba
Früh um sieben verließen wir Frankreich. Bei ruhiger See des Tyrrhenischen Meeres, herrlichem Sonnenschein und unter Schmetterling genossen wir le petit déjeuner auf dem Deck. Die 33 sm Überfahrt an die Südküste Elbas wurde mit einem Insalata di pommodori e fagioli versüßt. Ein korsischer Rosé rundete kulinarisch die korsisch-italienische Überfahrt ab.

Marina di Campo liegt malerisch in einer größeren Bucht mit dem längsten Strand der Insel. Wir sputeten uns, um einen der wenigen begehrten Liegeplätze zu bekommen. Im geschützten süd-westlichen Teil der Bucht befindet sich der alte Fischerort, der kleine Hafen, die bunten und malerischen Häuser – alles vom pisanischen Turm dominiert, der in der Vergangenheit als Wachturm verwendet wurde. Die Ortschaft hat eine schöne Hafenpromenade und ist bekannter abendlicher Treffpunkt.

In dieser Ecke Elbas gab es große Erzvorkommen, die dort auch bis zum Verschiffen gelagert wurden. So heißt es, dass viele Kompassnadeln verrückt spielten, was zum Kentern einiger Schiffe führte. Wir testeten das Dinghi mit dem 100-Euro-Außenborder und genossen ein Sonnenbad am Strand mit Badegang.

Der Abend wurde mit einem Risotto Funghi eingeleitet und mit dem Besuch der lebhaften Altstadt des beliebtesten Urlaubsortes Elbas abgeschlossen. An einer kleinen Piazza mit Brunnen verweilten wir ganz untypisch bei Warsteiner und ließen das italienische Leben rund um diesen Treffpunkt auf uns wirken.

Frühstück an Bord und Marina di Campo

 

Marina di Campo – Calla dell‘ Innamorata – Porto Azzuro
Für diesen Tag hatten wir uns die malerischen Buchten der Südküste und den schönsten Hafen von Elba als Ziel gewählt. Bei schwachen südlichen Winden ließen wir uns entlang der Küste treiben und steuerten zum Mittag die Calla dell‘ Innamorata (Bucht der Liebenden) an. Es heißt, dass sich ein verzweifeltes Mädchen namens Maria von diesen Felsen in die Fluten gestürzt habe, um sich mit ihrem Herzallerliebsten im Tode zu vereinen. Ihr Geliebter war von Sarazenen in die Sklaverei verschleppt worden. Vor Anker genossen wir das Bad in der Bucht und anschließend ein Piatto di formaggio.

Piatte di formaggio und Calla dell'Innamorata

Entlang der Südspitze frischte der Wind weiter auf und unser Cabin-Boy Jan wurde zur Deckshand befördert, nachdem er uns souverän nach Porto Azzuro gesteuert hatte.
Porto Azzuro erhielt seinen Namen erst 1947. Davor war es nach dem Forte di Longone, einer noch heute genutzten Strafanstalt benannt. Der in ganz Italien bekannte Spruch „Longone einen Besuch abstatten“ als Ausdruck für einen Gefängnisaufenthalt verhinderte die touristische Vermarktung des von Bergen umragten malerischen Ortes.

Die Einwohner von Porto Azzuro verstehen es, den Ruf als schönsten Hafen der Insel monetär umzusetzen. Nicht nur dass die Hafengebühren mit 44 Euro für unsere 35 Fuß-Yacht die höchsten des Törns sind, auch die Benutzung der Dusche im Hafen muss mit 2,50 Euro bezahlt werden. Dafür werden wir aber auch persönlich von der Patrona der Dusche betreut, die Kabinen werden wie in einem alten Badehaus zugewiesen. Bis dahin gibt es eine Wartezone vor dem Haus mit Blick auf das italienische Leben in und um die kleine Piazza.

Zum Abendessen gab es Spirelli con Tonno aus frischen aromatischen Flaschentomaten der Insel und den verbliebenen Notkonserven. 

Porto Azzuro / Einfahrt Porto Azzuro (rechts)

 

Porto Azzuro – Salivoli
Wir genießen das Leben am Morgen im Hafen und laufen erst um 10 Uhr aus. Unser Ziel, einen Zwischenstop im Hafen von Rio Marina einzulegen, um dort die nach den Plänen Napoleons gebaute Hafenmole zu besichtigen, ließ sich auf Grund der schwachen SSE Winde nicht realisieren.

Also segelten wir raumschots um die Isola Cerboli und dann auf anderem Bug zu unserem Ausgangshafen Salivoli zurück. Obwohl wir fast 2/3 der 133 sm Gesamtfahrstrecke unter Motor zurück gelegt haben, belastete die Tankrechnung unsere Bordkasse nur in geringem Umfang.
Bei der Rückgabe der „Ola Bonita“ gab es von beiden Seiten keine Beanstandungen.
Der Abend wurde von einem Sonnenuntergang mit Blick auf Elba eingeläutet und durch neuerlichen Besuch im Fischrestaurant des Hafens abgeschlossen.

Am nächsten Morgen nahmen wir unser Frühstück im Hafencafé und dem kleinen Supermercato ein. Die Patrona bereitete auf Wunsch die leckersten Chiabatta mit toskanischen Schinkenspezialitäten zu. Auf der Fahrt nach Pisa zum Flughafen erlebten wir die Toskana bei Bilderbuchwetter. Welch ein Kontrast zu unserer Anreise. Noch im Flughafen planten wir das Ziel unseres nächsten Törns: Sardinien.

Text und Fotos: Holger Vogt

Elba vom Festland gesehen (Salivoli)