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Hamburg hat ein weiteres Seezeichen

Ende Juni 2008 eröffneten Bundespräsident Horst Köhler, Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust und Professor Peter Tamm das Internationale Maritime Museum Hamburg (IMMH).

Nach dem Wunsch Peter Tamms soll das neue Museum die nachfolgenden Generationen für die Seefahrt begeistern, Geschichte erfahrbar machen und Kunst und Kultur als historisches Gewissen einer Nation bewahren. „Möge das Haus der Wahrheit, der Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und der Völkerverständigung verpflichtet sein, den Menschen die Faszination der Seefahrt nahe bringen und die Demut vor der Natur lehren.“

Die zehn Decks des Museums:

Deck 1

Die Entdeckung der Welt: Navigation und Kommunikation

Am Anfang war das Meer. Menschen standen am Ufer – bereit, neuen Horizonten entgegen zu segeln. Die See empfängt auch Besucher des IMMH auf Deck 1 – als Film, als Gemälde und als Dichtung: Die Reise durch 3.000 Jahre Seefahrtsgeschichte beginnt.

Eigens für das Museum angefertigte Büsten von Leif Eriksson, Bartholomeu Diaz, Vasco da Gama, Zheng He, Christoph Columbus, Ferdinand Magellan und James Cook erinnern an die Fahrten dieser sieben wichtigen Entdecker. Historische Globen und Seekarten belegen, wie sich das Weltbild bis heute entwickelte. Besonders kostbar: Ein Exemplar des „Atlantis Majoris“ aus dem Jahr 1657, dem ersten in den Niederlanden gedruckten Meeresatlas.

Möglich wurden die Fahrten der Entdecker nicht nur durch Fortschritte in der Geografie, sondern auch durch die Weiterentwicklung der Navigation. Handgemalte Kronenkompasse und golden glänzende Sextanten entführen in eine Epoche, in der die Bestimmung des Kurses eine ruhige Hand und ein scharfes Auge erforderten. Eine „Funkbude“, Morsegeräte und Signalbücher veranschaulichen, wie Seeleute noch bis ins 20. Jahrhundert hinein kommunizierten. Und schließlich wird die moderne Technik von Radar und Echolot bis hin zum Global Positioning System GPS vorgestellt.

Das „Schwimmende Klassenzimmer“ auf DECK 1

Im „Schwimmenden Klassenzimmer“ auf Deck 1 entdecken Kinder Neues rund um das Meer und die Seefahrt. Spiele, Bücher und Bastelmaterial stehen zur Verfügung. Außerdem liegt hier die „Queen Mary 2“, gebaut aus fast einer Million Legosteinen, im Dock „Elbe 17“. Wer angesichts des mehr als sechs Meter langen und 1,70 Meter hohen Schiffsmodells Lust zum Bauen bekommt, kann dies an den Lego-Tischen im Spielbereich tun.
Gruppen werden in einem für sie reservierten Bereich aktiv. Sie können Knoten knüpfen, Segelschiffe bauen oder einfache Seestücke malen. Und gleich nebenan in der Modellbauwerkstatt pflegen Fachleute kostbare Museumsobjekte. Zuschauen und Fragen ist jederzeit erlaubt!

Außenansicht des Internationalen Maritimen Museums Hamburg

Deck 2

Mit dem Wind um die Welt: Schiffe unter Segeln

Einst bestimmte der Wind, wie schnell ein Schiff sein Ziel erreichte. Deck 2 des IMMH erklärt, wie er entsteht und welche Kraft die zwölf Beaufortstärken entfalten. Die fünf wichtigsten Segeltypen sind in Originalgröße ausgestellt, und aus einer Tauwerkstatt duftet es nach Teer. Anhand ausgewählter Modelle lassen sich verschiedene Entwicklungsstränge verfolgen: Von phönizischen Galeeren und römischen Trieren über die Drachenboote der Wikinger, die Koggen der Hansezeit und die Karavellen der Entdecker bis hin zu den letzten kommerziellen Segelschiffen, den Windjammern.

Im Bereich der Kap Horniers erinnert sich Kapitän Hans Peter Jürgens in einem Film daran, wie abenteuerlich es auf den Fahrten ums Sturmkap zuging. Eine weitere Abteilung gehört den Piraten, die bis heute als Schrecken der Meere unterwegs sind.

Im Luftraum, der Deck 2 mit Deck 3 und 4 verbindet, schwebt die „Wappen von Hamburg III“. Mit rund vier Meter Länge ist das Modell des Konvoischiffes aus dem 18. Jahrhundert das größte im IMMH. Es hängt vor der Reproduktion des Gemäldes „Schwere See im Atlantik“ von Johannes Holst.

Seglervitrine

Deck 3

Geschichte des Schiffbaus: Vom Handwerk zur Wissenschaft

Von der Steinzeit bis heute spiegelt der Schiffbau die technischen Möglichkeiten seiner Epoche. Am Anfang der Entwicklung stand der Einbaum. Ein Jahrtausende alter, mit einfachsten Werkzeugen ausgehöhlter Baumstamm aus der Elbe bei Geesthacht ist das älteste im IMMH gezeigte Exponat – eine Leihgabe des Helms-Museums.

Erst Jahrhunderte später planten die Konstrukteure ihre Arbeit anhand von Schiffsrissen und Modellen. Mit dem Blockmodell eines englischen Schiffes um 1650 und Zeichnungen aus William Keltridges Manuskript „His Book“ aus dem Jahr 1675 erinnern zwei der ältesten erhaltenen Dokumente an diese Epoche.

Wie sich der Schiffbau seitdem immer weiter spezialisiert hat, illustrieren moderne Werftmodelle, maßstabsgetreue Nachbauten von Dampfmaschinen der „Titanic“ und der „Deutschland“, Schleppmodelle der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt und verschiedene Filme.

Das Heck der Chesapeake

Deck 4

Dienst an Bord: Im Zeughaus der Geschichte

„Was ist ein Orden? Ein kostensparender Gegenstand, der es ermöglicht, mit wenig Metall viel Eitelkeit zu befriedigen“, sagte der französische Politiker und Friedensnobelpreis-Träger Aristide Briand. Ein Rundgang über das als Studiensammlung konzipierte Deck 4 schärft den Blick für die Formensprache und die Verwendungszwecke der begehrten Ehrenzeichen. Sie dienten nicht nur den oberen Rängen als Ausdruck ihrer Machtstellung, sondern hielten als sichtbare Anerkennung auch gewöhnliche Soldaten bei der Stange. Ein weiteres Merkmal von Rang und Würden – und unverzichtbarer Teil der Ausrüstung – sind die Blank- und Schusswaffen, deren Entwicklung sich ebenfalls auf Deck 4 studieren lässt.

In einer Großvitrine stehen fast 60 Figuren mit historischen Uniformen aus aller Welt friedlich beieinander, daneben werden knapp 100 Kopfbedeckungen aus verschiedenen Ländern und Epochen präsentiert. Sind sie praktisch oder prunkvoll? Wer genau hinschaut, lernt schnell, zwischen den verschiedenen Zwecken zu unterscheiden. Der Seelsorge und der Medizin an Bord sind auf Deck 4 ebenso eigene Bereiche gewidmet wie den Festen und Gebräuchen.

Deck 5

Krieg und Frieden Marinen der Welt seit 1815

Neben dem Handel waren Aufbau und Sicherung von Mächteverhältnissen ein wichtiger Antrieb für die Entwicklung der Schifffahrt. Im Zuge der Industrialisierung wurden dampf- und motorenbetriebene Panzerschiffe mit schwerem Geschütz gebaut. Diese Entwicklung wird auf Deck 5 anhand zahlreicher Modelle deutlich – etwa den „Monitoren“ aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, den Torpedobooten der Jeune Ecole, den Schlachtschiffen vom Typ „Dreadnought“ aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg oder Modellen, die neueste Planungen für Schiffe in Stealth-Technik zeigen. Parallel wird der Fortschritt beim U-Boot-Bau vom „Brandtaucher“ bis hin zum brennstoffzellenbetriebenen Typ 212A nachgezeichnet.

Die Galeone "Bull"

Deck 6

Die James Caird II

Moderne Seefahrt: Handels- und Passagierschifffahrt

Auf Deck 6 erfahren Museumsbesucher anhand von Modellen und Dokumenten, wie sich die Handels- und Passagierschifffahrt seit der Zeit der Dampfmaschinen verändert hat. Immer größere Schiffe konnten immer mehr Fracht laden und transportieren. Ihre Geschwindigkeit wuchs, und die Zeiten zum Be- und Entladen nahm ab. Seit den 1960er Jahren sorgt der genormte 20-Fuß-Container für standardisierte Abläufe. Die sechs Meter lange, zweieinhalb Meter breite und hohe Box hat den Seehandel revolutioniert – und sich ihren Platz im Museum verdient: Der Rundgang führt mitten hindurch.

Während der Transport immer zügiger und reibungsloser funktioniert, entdecken Urlauber den Weg als Ziel. Kreuzfahrten boomen! Goldverziertes Geschirr und feines Silberbesteck der „Auguste Victoria“ lassen den Luxus erahnen, den einst die Gäste der Hapag-Reederei genossen – mit Originalmobilar eingerichtete Kabinen der Viermastbark „Sea Cloud II“ und des Fünf-Sterne-Expeditionsschiffes „Hanseatic“ holen modernes Kreuzfahrt-Flair ins Museum.

In völlig anderer Mission sticht der Abenteurer Arved Fuchs regelmäßig in See: Mit Fahrten in die unwirtlichsten Gebiete der Welt erinnert er an historische Expeditionen – so auch auf seiner Tour mit der „James Caird II“, die auf Deck 6 des IMMH liegt. Mit dem nur sieben Meter langen Boot besegelten Fuchs und seine drei Begleiter auf den Spuren von Sir Ernest Shackleton das Wedellmeer zwischen Kap Horn und der Antarktis. Dass diese Fahrt Fuchs’ härteste gewesen sei, glaubt ihm jeder sofort, der sich die Filmaufnahmen im Museum anschaut.

Deck 7

Expedition Meer: Das letzte Geheimnis der Erde

Noch schlummern Geheimnisse unter der Meeresoberfläche – doch Experten aus aller Welt sind dabei, sie zu lüften. Beim Rundgang über Deck 7 taucht man ab, um über die Formen, Farben und Geräusche der Tiefsee zu staunen. Hier erklingt eine „Sinfonie“ aus Walgesängen, dem Heulen eines Unterwasser-Vulkans und mysteriösen „Bloops“, deren Herkunft bis heute unklar ist – dort schillern Krill, Kalmare & Co.

Nebenan erstehen Jules Vernes submarine Abenteuerwelt und sein Tauchboot „Nautilus“ aus dem Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ auf – kombiniert mit Expeditionsberichten von Alexander von Humboldt. Der deutsche Thriller-Autor Frank Schätzing diskutiert an einer Hörstation mit dem Bremer Meeresgeologen Prof. Gerhard Bohrmann, Vorbild für den Wissenschaftler Bohrmann im Bestseller „Der Schwarm“ über Fakten und Fiktion.

Zudem steht der Wissenschaft die Hochsee-Industrie gegenüber: So werden die Entwicklung der Fischerei und das blutige Geschäft des Walfangs ebenso thematisiert wie die Offshore-Ölförderung.

Die „Forschungsstation“ auf DECK 7

Ob Steine schwimmen können und wie Unterwasser-Vulkane entstehen, erfahren Kinder in der „Forschungsstation“ auf Deck 7.

Deck 8

Kunstsammlung: Marinemalerei und Schatzkammer

Meer und Schiffe inspirieren Künstler seit jeher. Doch ihre Blütezeit erlebte die Marinemalerei erst Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden. Die Marinemaler jener Zeit galten als Chronisten, die wichtige Ereignisse und Schiffe in Öl festhielten. Das Internationale Maritime Museum Hamburg zeigt Gemälde aus 500 Jahren Kunstgeschichte.

In der Schatzkammer staunt man über Modelle aus Elfenbein, Bernstein, Silber und das weltweit einzige Modell aus purem Gold. Einen besonderen Blick verdienen die Knochenschiffe, die Kriegsgefangene der Engländer als „Überlebenskunst“ während der Napoleonischen Kriege (1792-1812) aus Tierknochen anfertigten. Wer wissen möchte, unter welch qualvollen Bedingungen diese Kunstwerke entstanden sind, braucht nur durch vergitterte Fenster in das nachgebaute Zwischendeck eines Gefangenenschiffes schauen.

Deck 9

Modelle: Die große Welt der kleinen Schiffe

Auf Deck 9 gelingt der Größenvergleich zwischen einem Wikingerschiff und der „Queen Mary 2“ ebenso wie der Überblick über die Jahrzehnte währende Entwicklung verschiedenster Schiffstypen auf wenigen Quadratmetern. 36.000 Modelle im Maßstab 1:1250 sind im obersten Ausstellungs-Deck des IMMH versammelt. Während in der Großvitrine die pure Masse der Schiffchen beeindruckt, faszinieren Dioramen – etwa des Bremerhavener Hafens oder der New Yorker „Finger Piers“ – mit Detailgenauigkeit.

Heute sind die Mini-Schiffe Objekt reiner Sammlerbegierde und liebstes Spielzeug für die Seefahrt im Hobbykeller. Doch das IMMH erinnert auch an ihre ursprüngliche Bestimmung für die Marine-Ausbildung und erklärt die Herstellung der Miniaturen.

Eine kleine Auswahl der 36.000 Modelle

Deck 10

„Salon 10. Längengrad“: Eventbereich, Sonderveranstaltungen

Sonderausstellungen, Lesungen und Konzerte, Symposien, Vorträge und Präsentationen: Der „Salon 10. Längengrad“ bietet ein weit gefächertes Programm. Neben dem Internationalen Seegerichtshof finden Meeresforschungsinstitute, Werften, Reedereien und verschiedene weitere der Seefahrt verpflichtete Institutionen ein Forum im 10. Boden des Kaispeichers B.

Hoch über den Dächern Hamburgs gelegen, ist der „Salon 10. Längengrad“ außerdem Treffpunkt und festlicher Rahmen für Empfänge, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Konzerte, Produktpräsentationen und Tagungen.

Allgemeine Informationen

Größe

  • 9 Ausstellungs-Decks
  • 1 Deck für Veranstaltungen und Sonderausstellungen
  • 16.000 Quadratmeter Fläche
  • 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Gebäude
  • 2 Kinder-Bereiche: Das „Schwimmende Klassenzimmer“ (Deck 1) und die „Forschungsstation“ (Deck 7)
  • 2 gastronomische Bereiche: Café „Kaispeicher B“, Restaurant „Austernbar“ (ohne Eintrittskarte zugänglich)



Die Sammlung Peter Tamm

  • 1.000 Großmodelle von Schiffen
  • 36.000 Miniaturmodelle im Maßstab 1:1.250
  • 5.000 Gemälde, Grafiken und Aquarelle
  • 50.000 Konstruktionspläne
  • 120.000 Bücher
  • 2.000 Filme
  • 500.000 Fotos
  • 15.000 Schiffs-Speisekarten
  • 36 Knochenschiffe
  • größtes Modellschiff: „Wapen von Hamburg III“. Maßstab 1:16, Länge: 4,3 Meter
  • größtes Exponat: Zwei-Mann-U-Boot, Typ „Seehund“. Länge: 12 Meter
  • kleinstes Exponat: Modell einer Segeljolle, Maßstab 1:1250, Länge: ca. 5 Millimeter

Fotos: Internationales Maritime Museum Hamburg

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fahrtensegeln.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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Weitere Informationen

Adresse:
Internationales Maritimes Museum
Peter Tamm sen. Stiftung
Kaispeicher B
Koreastraße 1
20457 Hamburg

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag
10-18 Uhr
Montag geschlossen

Eintrittspreise:
Erwachsene: 10 €
Kleinfamilie: 12 €
Familie: 22 €
Schüler, Studenten, Rentner: 7 €
Kinder bis 6 Jahre: frei

Weitere Informationen im Internet unter
www.internationales-maritimes-museum.de

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