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18.01.09

Auf dem Wassersportmarkt weht ein eisiger Wind

Der Bundesverband Wassersportwirtschaft in Köln sieht anläßlich der boot 2009 in Düsseldorf ein geschwächte Binnennachfrage für das Jahr 2009

Foto: Rene Tillmann / Messe Duesseldorf

Die maritime Wirtschaft war mit großem Optimismus in die Wassersportsaison 2008 gestartet. Für die deutschen Segel- und Motorbootwerften haben sich diese Erwartungen erfüllt. Im ersten Halbjahr 2008 hat der Export an Booten und Yachten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt wertmäßig um 44,4% auf 332 Mio. Euro zugelegt. 3.346 Motor- und Segelyachten deutscher Hersteller haben weltweit einen Käufer gefunden. Die deutschen Hersteller konnten ihre starke Position auf den Auslandsmärkten dadurch weiter festigen.

Aktuelle Wirtschaftslage
Auch auf dem deutschen Markt haben die ersten Ausläufer der sich abflachenden allgemeinen Konjunktur die maritime Wirtschaft erreicht. Bei größeren Investitionen sind die Wassersportkunden zurückhaltender geworden. Im Ausrüstungs- und Dienstleistungsbereich bleibt die Nachfrage jedoch auf hohem Niveau. Ungebrochen ist auch die Nachfrage nach wassertouristischen Angeboten wie Charter-, Tauch- oder Surfreisen.
Insgesamt rechnet die Branche für das Jahr 2008 mir einem Gesamtumsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen (ohne Superyachten) von rund 1,84 Mrd. Euro.


Neuboote
Auf dem deutschen Markt hat sich die Nachfrage nach neuen Segel- und Motoryachten abgekühlt. Rund die Hälfte der in einer Konjunkturumfrage zur Jahresmitte befragten Händler sprechen im Vergleich zum Vorjahr von einer schlechteren Geschäftslage. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Importzahlen wieder: insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2008 mit 3.955 Einheiten rund 3,3% weniger Motor- und Segelyachten importiert. Der Importwert sank von 139 auf 121 Mio. Euro (- 13%).

Eine genauere Betrachtung des Neubootgeschäftes zeigt, dass insbesondere die Anbieter von Mittelklassebooten von Umsatzrückgängen betroffen sind. Deren Kunden, die vorwiegend aus laufenden Einkommen und nicht aus Vermögen kaufen, stammen zumeist aus dem Mittelstand und leiden seit Jahren unter realen Einkommensverlusten. Darüber hinaus werden die Freizeitbudgets durch die erhebliche Steigerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten zusätzlich belastet.

Bei neuen Segelyachten ist ein Trend zu größeren Booten deutlich erkennbar. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist die durchschnittliche Bootsgröße von 9,5 m auf aktuell 10,5 m angestiegen. Für Motoryachten gilt dieser Trend allerdings nicht. Im Mittel war und ist eine neue Motoryacht rund 10 m lang.

Naturgemäß gibt es in diesem mittleren Segment auch die größte Angebotsdichte. Obwohl rationeller und damit kostengünstiger Serienbootsbau Plattformstrategien voraussetzt, bemühen sich die Hersteller zunehmend um mehr Individualität im Innenausbau und bieten damit ein auf Crewgröße, Nutzungsgewohnheiten und persönliches Stilempfinden abgestimmtes Innenraumkonzept. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken.

Einfache und komfortable Handhabung der Yachten ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Bereits heute ist der durchschnittliche Bootseigner 56 Jahre alt. Die demographische Entwicklung wird in den kommenden Jahren zu einer Umschichtung der Alterstrukturen im Bootsbereich führen. Das durchschnittliche Alter der Skipper wird weiter zunehmen.

Das stellt neue Anforderungen an die Bootswerften. Einfache und Kraft sparende Segeltechnik wird ebenso erwartet, wie sichere und Stress reduzierende  Manövertechnik unter Motor oder bequeme Laufwege auf und unter Deck. Moderne Yachtentwürfe berücksichtigen diese zukünftigen Erfordernisse bereits heute.


Gebrauchtboote
Boote aus zweiter Hand sind ein wichtiger Bestandteil des Gesamtmarktes. Trotz erheblicher jährlicher Schwankungen ist der mittelfristige Trend stabil. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre (1998 – 2007) haben jährlich rund 18.300 gebrauchte Boote und Yachten einen neuen Eigner gefunden.

Gerade bei Ersteinsteigern liegen gut gepflegte und komplett ausgerüstete Gebrauchte im Trend. Der Einstieg in den Segel- oder Motorbootsport ist vergleichsweise günstig. Rund die Hälfte der am Markt angebotenen Segel- und Motorboote liegt in einem Preisbereich von unter 25.000 Euro und damit für weite Bevölkerungskreise im Bereich der Möglichkeiten. Die bei Einsteigern besonders beliebten offenen Sportboote, Schlauchboote und kleinen Segelboote werden bereits für wenige Tausend Euro angeboten.

Aufgrund des stetig größer werdenden Gebrauchtbootmarktes geht die Branche insgesamt von sinkenden Gebrauchtbootpreisen aus und eröffnet damit Neueinsteigern noch günstigere Möglichkeiten.


Ausrüstung & Zubehör
Im Bereich Ausrüstung und Zubehör machen sich die Konzentrationsprozesse der letzten Jahre immer deutlicher bemerkbar. Während beim typischen Bootshändler das Zubehörgeschäft rückläufig ist, berichten die marktführenden Filialisten und Versender von Geschäften auf dem sehr guten Vorjahresniveau.

Gerade in Zeiten, in denen Neubootkäufe zurückgestellt werden, investieren die Bootseigner verstärkt in ihre Freizeityachten. Dabei stehen Komfortansprüche im Vordergrund. Dies gilt besonders für ältere Bootseigner, die den größten Teil der Klientel ausmachen. Immerhin sind rund 40% der Bootseigner älter als 60 Jahre. Sie verbringen bis zu 15 Tage pro Jahr mehr an Bord ihrer Yacht als jüngere Skipper und wünschen sich ein den eigenen vier Wänden vergleichbares Komfortniveau. Neben Heiz-, Kühl-, Koch- und Sanitärtechnik gewinnen auch Multimedia-Ausstattungen an Bedeutung.

Entsprechend dieses aktuellen Nachrüstungstrends sind die Unternehmen, die sich auf Wartung, Service und Refit spezialisiert haben, weiterhin hervorragend ausgelastet. 76,1% dieser Unternehmen beurteilen das Geschäftsjahr 2008 gleich gut oder besser als das Vorjahr. Insgesamt geben die deutschen Bootseigner für Service, Ausrüstung, Zubehör und Dienstleistungen rund um das Boot jährlich mehr als 600 Mio. Euro aus.


Chartermarkt
In den letzten Jahren haben immer mehr Menschen ihren Urlaub auf einer gemieteten Segel- oder Motoryacht verbracht. Im Binnenbereich waren zum Teil zweistellige jährliche Zuwachsraten an der Tagesordnung.

In den neuen Bundesländern ist allerdings aufgrund der hohen Nachfrage auch die Anzahl der zu vermietenden Hausboote und Motoryachten ab dem Jahr 2005 um rund 25% gestiegen. Die gewohnt hohe Auslastung erreichen derzeit nur Anbieter, die ihren Kunden einen hohen Qualitätsstandard bieten können. Dies führt zu einer Konzentration auf die führenden Anbieter, die ein umfangreiches Serviceangebot offerieren können.

Von der Möglichkeit, ein Hausboot auch ohne amtlichen Sportbootführerschein auf vielen Wasserwegen, schwerpunktmäßig in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, mieten zu können, machen immer mehr Menschen Gebrauch. Rund 40% der jährlich über 8.000 Chartercrews in der Region mieten inzwischen „führerscheinfrei“ und sind, nach eingehender Einweisung in Theorie und Praxis, sicher auf deutschen Wasserwegen unterwegs.

Im Bereich Ostsee berichten die führenden Anbieter von einer im Vergleich zum Vorjahr stabilen Nachfrage. Allerdings geht der Trend zu kürzeren Charterzeiträumen. Dies führt bei den Anbietern zu Kostensteigerungen, die derzeit kaum weitergegeben werden können. Attraktive Nachlässe für die zweite oder dritte Charterwoche sollen diesem Trend entgegenwirken.

Bei den internationalen Destinationen liegt das Mittelmeer in der Kundengunst nach wie vor weit vorne.


Ausbildung
Das Interesse am Bootssport ist ungebrochen. Die beiden Ausbildungsverbände, der Verband Deutscher Sportbootschulen (VDS) und der Verband Deutscher Wassersportschulen (VDWS) melden leicht steigende Ausbildungszahlen. In der Wassersportsaison 2008 haben rund 50.000 Personen bei den deutschen VDS-Schulen eine Ausbildung absolviert, davon rund 15.000 einen Segel-Grundschein. Bei den über 500 VDWS-Schulen haben insgesamt rund 66.000 (Windsurfen: 37.035; Segeln: 15.635; Kite-Surfen: 13.192) weltweit eine Grundscheinprüfung abgelegt.

Insbesondere die Grundscheine für die verschiedenen Wassersportaktivitäten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie sind der ideale Einstieg und vermitteln durch den großen Praxisanteil an der Ausbildung von Beginn an Spaß am neuen Freizeitsport.

Links:
www.duesseldorf-magazin.info/boot.html





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