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19.01.12

Einsatzbilanz 2011 der Seenotretter

Bestseller-Autor Frank Schätzing neuer „Bootschafter“

Der neue "Bootschafter" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Frank Schätzing (li.) im Gespräch mit Gerd Schwips, Vormann des Seenotkreuzers BERNHARD GRUBEN (im Hintergrund). Der Seenotkreuzer wird zur Zeit in der DGzRS-Werft überholt. (Foto: Seenotretter)

Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben im Verlauf des Jahres 2011 insgesamt 1323 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit (2010: 1130). Insgesamt ist die Rettungsflotte der DGzRS 2106 Mal im Einsatz gewesen (2010: 2044 Einsätze).

Neuer ehrenamtlicher „Bootschafter“ des Rettungswerkes ist der bekannte Schriftsteller und Erfolgsautor Frank Schätzing („Der Schwarm“, „Limit“ …). „Ich bewundere die Seenotretter für ihren unerschrockenen, unermüdlichen Einsatz. Er verdient eine gewaltige Flut, mit der sie auch in Zukunft jederzeit auslaufen können, wann immer Menschen in Not sind – eine Flut von Spendengeldern!“

Schätzing löst den renommierten Schauspieler Uwe Friedrichsen ab, der die Arbeit der Seenotretter mit großem Engagement begleitet hat. Der Bestseller-Autor stellte in der DGzRS-Zentrale in Bremen am Dienstag, 17. Januar 2012, die Einsatzzahlen der Rettungsflotte aus dem abgelaufenen Jahr vor:

2011 haben die Besatzungen der 61 Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote in Nord- und Ostsee

56 Menschen aus Seenot gerettet;
1267 Menschen aus drohender Gefahr befreit;
453 Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland transportiert;
59 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt;
946 Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie
513 Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 3068 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen.

Darüber hinaus war die SEENOTLEITUNG BREMEN (Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC BREMEN) in 225 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig (2010: 248 Mal).

Einschließlich aller Such- und Rettungsaktionen sowie Kontrollfahrten haben allein die 20 Seenotkreuzer (die 41 Seenotrettungsboote nicht mitgerechnet) im vergangenen Jahr 73.471  Seemeilen (ca. 136.070 Kilometer) in Nord- und Ostsee zurückgelegt.

Seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 hat die DGzRS somit insgesamt 79.063 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohender Gefahr befreit. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Gießen (Hessen), der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) oder der gesamten Landkreise Osterode am Harz (Niedersachsen) und Lindau am Bodensee (Bayern).

Die Einsatzzahlen 2011 verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt:

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote haben bei 622 Einsätzen sechs Menschen aus Seenot gerettet und 389 weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste registrierten 279 Einsätze. Die dortigen Mannschaften retteten ebenfalls sechs Menschen aus Seenot und befreiten weitere 132 aus Gefahrensituationen.

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 669 Mal im Einsatz. Sie retteten 21 Menschen aus Seenot und befreiten weitere 311 aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die DGzRS-Rettungseinheiten zu 536 Einsatzfahrten unterwegs. Ihre Besatzungen retteten 23 Menschen aus Seenot und befreiten weitere 435 aus Gefahrensituationen.

Aus der Rettungsflotte
Zu den Höhepunkten aus Sicht der Seenotretter im vergangenen Jahr zählt die Indienststellung eines neuen 20-Meter-Seenotkreuzers für die Station Büsum. Sandra Carstensen, Frau des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, taufte das Schiff Mitte August auf den Namen THEODOR STORM. Auch im laufenden Jahr soll die Modernisierung der Rettungsflotte fortgesetzt werden. Für die Station Sassnitz ist ein neuer 36,5 Meter langer Seenotkreuzer vorgesehen. Diese Einheit befindet sich zurzeit auf der Fassmer-Werft an der Unterweser im Bau und soll die dann 34 Jahre alte WILHELM KAISEN ablösen.

Auf seine letzte und besonders spektakuläre Reise ging im Frühjahr 2011 der ausgemusterte Seenotkreuzer JOHN T. ESSBERGER. Von Fehmarn aus erreichte er über Hamburg, Bremerhaven und den Rhein Ende Mai Speyer. Im dortigen stark frequentierten „Technik Museum“ (ca. 650.000 Besucher pro Jahr) ist er seit September 2011 der Öffentlichkeit als Exponat zugänglich; nicht zuletzt um auch fernab der Küsten für das Seenotrettungswerk zu werben und weitere Förderer für die DGzRS zu gewinnen, deren Arbeit ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen getragen wird und die deshalb auf die Unterstützung der breiten Bevölkerung angewiesen ist.

Die Seenotretter im TV
Alltag und Leben an Bord zweier Seenotkreuzer sind ab Ende Januar in einer vierteiligen Fernsehdokumentation immer mittwochabends zu sehen. NDR-Kamerateams haben die Besatzungen der THEODOR STORM/Station Büsum und BERLIN/Station Laboe mehrere Monate lang immer wieder begleitet. Die geplanten Sendetermine: 25. Januar, 1. Februar, 8. Februar und 15. Februar 2012, jeweils 21 Uhr, NDR Fernsehen.

Tag der Seenotretter 2012
Spendern, Freunden und allen Interessierten bietet die DGzRS auch 2012 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Leistungsfähigkeit des deutschen Seenotrettungswerks zu machen. Erneut findet am letzten Sonntag im Juli, somit am 29. Juli 2012, der „Tag der Seenotretter“ auf zahlreichen Rettungsstationen und in der Zentrale in Bremen statt.

 

In den Bordtagebüchern geblättert

29. Januar 2011
Auf dem Hochseeschlepper „Nordic“ stürzt ein Seemann aus etwa drei Metern Höhe in einen Stauraum. Der Seenotkreuzer BERNHARD GRUBEN/Station Norderney birgt ihn ab, versorgt ihn und übergibt ihn in Norddeich an den Landrettungsdienst.

21. Februar 2011
Das kleine, aber sehr kraftvolle und wendige Seenotrettungsboot WOLTERA/Station Juist befreit ein vor der Insel gestrandetes Küstenmotorschiff aus dem Watt. Nach Unterstützung durch eine Frachtfähre schleppt die WOLTERA mit der ganzen Kraft ihrer 320 PS den vier Mal längeren, über 800 Tonnen wiegenden Havaristen allein bis zum Inselhafen.

25. März 2011
Bei einem Offshore-Training vor Cuxhaven fällt ein Ausbilder über Bord eines Schlauchbootes. Die Trainingsteilnehmer alarmieren die Seenotretter. Mit dem Tochterboot BIENE des Seenotkreuzers HERMANN HELMS/Station Cuxhaven bergen sie den Mann aus der Nordsee.

29. März/6. April 2011
Der neue Seenotkreuzer THEODOR STORM/Station Büsum (damals noch SK 33) bewährt sich in seinen ersten Einsätzen: Zwei jeweils nahezu voll beladene Fischkutter hatten sich bei den Seenotrettern gemeldet. Sie treiben manövrierunfähig im Fahrwasser. Bei teils starken Winden bugsieren die Seenotretter die ungleich schwereren Kutter in den Hafen.

7. Mai 2011
Die Besatzung des Seenotkreuzers EUGEN/Station Greifswalder Oie kommt vor Rügen in einem fast zehnstündigen Einsatz 17 Anglern zu Hilfe, deren Kutter bei Windstärke sechs und zwei Meter hohen Wellen manövrierunfähig treibt. Die Seenotretter schleppen das Schiff sicher ein.

18. Mai 2011
Auf einem Containerfrachter in der Kieler Bucht bricht der Kapitän zusammen. Die Besatzung des Seenotkreuzers BERLIN/Station Laboe nimmt auf dem 135 Meter langen Schiff die medizinische Erstversorgung vor und bringt den Mann zur weiteren Versorgung an Land.

25. Juni 2011
Auf dem niederländischen Tanker „Cobalt Water“ erleidet der zweite Maschinist im Maschinenraum schwere Verbrühungen. Der Seenotkreuzer ALFRIED KRUPP/Station Borkum bringt einen Notarzt zu dem Frachter. Er versorgt die Wunden des 21-Jährigen im Bordhospital des Seenotkreuzers mit kühlenden Kompressen, während die Seenotretter das niederländische Eemshaven ansteuern.

6. Juli 2011
Auf der Flensburger Förde geraten zwei Kitesurfer vor Bockholmwik in eine Gewitterfront mit starken Böen und dichten Regenschauern. Sie können ihre Kitesegel nicht mehr starten und treiben weit von Land ab. Das Seenotrettungsboot WERNER KUNTZE/Station Langballigau nimmt sie an Bord.

10. Juli 2011
Einen bis zum Bauch im Wasser stehenden Dalmatiner-Mischling bergen die Seenotretter der Station Büsum aus dem Wattenmeer. Mit ihrem schnellen und flachgehenden Festrumpfschlauchboot nehmen sie das verängstigte Tier an Bord. Dank eines Chips ermittelt die Polizei schnell den Halter.

12. Juli 2011
Vor Sylt geht der Tauchkutter „Venus“ in Flammen auf. Die drei Taucher retten sich in ein Schlauchboot. Sie kommen mit Verdacht auf Rauchgasinhalation zur Sicherheit ins Krankenhaus. Der Seenotkreuzer MINDEN/Station List und andere Schiffe löschen den Brand.

20. Juli 2011
Mit maßgeblicher Unterstützung durch die SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS rettet ein norwegisches Frachtschiff mitten im Atlantik etwa 500 Seemeilen nordwestlich der Kapverdischen Inseln zwei Segler aus Seenot. Der Frachter erreicht die beiden Deutschen, die nach Mastbruch und Wassereinbruch mehrere Notrufe ausgelöst hatten, kurz bevor ihre gut elf Meter lange Yacht sinkt.

23. Juli 2011
Die freiwillige Besatzung des Seenotrettungsbootes DORA/Station Ueckermünde rettet auf dem Stettiner Haff sechs Segler aus Seenot. Sie waren außenbords gefallen, als ihr offener Segelkutter bei Windgeschwindigkeiten über 30 Knoten (über 50 km/h) und sehr kurzen, harten Seen kenterte.

19. August 2011
Vor Bremerhaven kentert der kleine Fischkutter „Jutta“. Drei Fischer sind im Wasser. Mit dem flachgehenden Tochterboot CHRISTIAN des Seenotkreuzers HERMANN RUDOLF MEYER/Station Bremerhaven nehmen die Seenotretter die Fischer an Bord und versorgen sie mit trockener Kleidung und warmen Getränken.

28. August 2011
Mit ihrem Seenotrettungsboot WOLTERA/Station Juist kommt die Freiwilligen-Besatzung einem erschöpften Surfer vor Norddeich zu Hilfe. Der völlig entkräftete Mann klammerte sich am Ende einer Buhne an einem Seezeichen fest und zog sich dabei entsprechende Fußverletzungen zu.

29. August 2011
Auf ihrem neun Meter langen Motorkajütboot geraten zwei Wassersportler vor Darßer Ort in eine von Seeleuten gefürchtete Situation: auf Legerwall. Im Sturm können sie sich nicht mehr von Land fernhalten. Im Brandungsgürtel werfen sie Anker. Bei neun Windstärken befreit der Seenotkreuzer THEO FISCHER/Station Darßer Ort die beiden aus ihrer gefährlichen Lage.

27. August, 2. September, 2. Oktober 2011
Drei Fahrgastschiffe kommen unabhängig voneinander im Wattenmeer fest. Vor Hooksiel und vor der Nordspitze Amrums kommen die Seenotretter insgesamt über 400 Menschen zu Hilfe und ersparen ihnen unangenehme Übernachtungen ohne Proviant an Bord.

1. Oktober 2011
Nach einem Kabelbrand auf einer Zwölf-Meter-Motoryacht bringen freiwillige Seenotretter mit dem Seenotrettungsboot BOTTSAND/Station Laboe die zweiköpfige Besatzung sicher an Land.

8. Oktober 2011
Im Überlebensanzug schwimmend kommt ein freiwilliges Besatzungsmitglied des Seenotrettungsbootes HANS INGWERSEN/Station Travemünde einem schiffbrüchigen Segler zu Hilfe. Dem Mann war es nicht gelungen, seine gekenterte Jolle wieder aufzurichten.

10. Oktober 2011
Vor der Halbinsel Eiderstedt verhindern die Seenotretter den Untergang des Krabbenkutters „Korona“ (Heimathafen Tönning). Nach Strandung und starkem Wassereinbruch hält die Freiwilligen-Besatzung des Seenotrettungsbootes PAUL NEISSE/Station Eiderdamm gemeinsam mit ihren Kollegen des Seenotkreuzers THEODOR STORM/Station Büsum das Schiff schwimmfähig.

19. Oktober 2011
Auf der Englandfähre „Hafnia Seaways“ bricht nördlich Spiekeroog ein Feuer aus. Der Seenotkreuzer HERMANN MARWEDE/Station Helgoland koordiniert als Einsatzleiter vor Ort die Hilfe. Gemeinsam mit Feuerwehrexperten aus Brunsbüttel gelingt es der Besatzung der Fähre, den Brand zu löschen.

28. Oktober 2011
Auf dem Seenotkreuzer VORMANN LEISS/Station Amrum erblickt ein gesunder Junge das Licht der Welt. Die Seenotretter sollten die Hochschwangere in einem Nachteinsatz nach Föhr transportieren, wo das nächste Krankenhaus steht. Doch das Kind will nicht warten: Die begleitende Hebamme leitet noch während der Einfahrt in den Wyker Hafen die Geburt ein.

5. November 2011
Vor der Darßspitze kommt der Seenotkreuzer THEO FISCHER/Darßer Ort zwei Berufsfischern zu Hilfe. Mit gerissenem Keilriemen treibt ihr Kutter manövrierunfähig auf die offene See hinaus. Trotz Nebel finden die Seenotretter die Fischer schnell und schleppen den Kutter ein.

22. November 2011
Im dichten Nebel kollidieren auf der Außenweser vor Bremerhaven der Massengutfrachter „Splittnes“ und das Containerschiff „MOL Efficiency“. Die „Splittnes“ macht Wasser, neun Seeleute steigen in ein schiffseigenes Rettungsboot. Das Tochterboot CHRISTIAN des Seenotkreuzers HERMANN RUDOLF MEYER/Station Bremerhaven nimmt es in Schlepp – alle Mann in Sicherheit.

26. November 2011
Auf der Außenelbe kollidiert das Lotsenversetzboot „Duhnen“ mit dem 301 Meter langen Containerfrachter „Ever Strong“. Zum Glück wird niemand verletzt, doch die „Duhnen“ ist erheblich beschädigt. Sie bekommt Schlagseite, weil Wasser in den Rumpf eindringt. Der Seenotkreuzer HERMANN HELMS/Station Cuxhaven setzt seine leistungsstarken Lenzpumpen ein und begleitet das Schiff sicher nach Cuxhaven.

1. Dezember 2011
Zwei Seenotkreuzer eilen auf der Außenelbe dem 133 Meter langen ägyptischen Frachter „Abu Rdees“ zu Hilfe, auf dem ein Brand ausgebrochen ist. An Bord sind 37 Mann Besatzung, die das Feuer schnell unter Kontrolle haben. Der Seenotkreuzer HERMANN HELMS/Station Cuxhaven transportiert Feuerwehrexperten zu dem Frachter. Sie stellen fest: Das Feuer ist aus. Doch fünf Seeleute haben vermutlich gefährliche Rauchgase eingeatmet. Der Seenotkreuzer HERMANN MARWEDE/Station Helgoland birgt sie ab und bringt sie an Land.

Links:
www.seenotretter.de





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