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10.09.11

Mit dem Happy Cat Vision von Genua nach Tunis

Eine Geschichte über einen Segeltörn

Die Geschichte einer spannenden Überfahrt von Philipp Benda und Christian Redl (Foto: happy-cat.at)

Während die Segelexpedition von Philipp Benda und Christian Redl mit einem Happy Cat Vision im Gang war, hat es über Facebook nur spärliche Informationen gegeben. Der Start am 22. August, die Flaute auf See, heftige Stürme und die Ankunft am 29. August im Hammamet waren genau beschrieben. Weitere Details über diese waghalsige Segelreise gingen nicht daraus hervor.

Nach seiner Rückkehr haben wir daher Herrn Philipp Benda gefragt, wie das Ganze abgelaufen ist.

Philipp Benda erzählt

Nachdem wir uns einige Zeit am Neusiedlersee vorbereitet hatten, gab es für das Projekt der Mittelmeerüberquerung kein Zurück. Wir fuhren mit dem Bus nach Abissola , westlich von Genua, rüsteten das Boot auf und verpackten die Ausrüstung sturmsicher am Boot. Das etwa 120 kg schwere Gepäck bestand aus Nahrung, Trinkwasser, Reservebekleidung, Notfallausrüstung und persönlichen Dingen. Für die Navigation hatten wir ein GPS, Kompass, Landkarten und für Notfälle ein Satellitentelefon. Am Mast hatten wir ein Radarreflexion-Gerät angebracht, um von der Großschifffahrt bei Nacht und Nebel geortet zu werden.

Nach gutem Start mit steifer Brise folgte eine nervenaufreibende Flaute und es ging nur langsam vorwärts. Die Zeit vertrieben wir uns mit Beobachten von Potwalen, Delphinen und Mantarochen oder lesen. Als wir nach 3 Tagen die Westküste Korsikas erreicht hatten, war totale Flaute. Alleine zum Anlegen in Calvi benötigten wir für wenige Kilometer fast 10 Stunden. Für die gesamte Reise war ein verbindliches Zeitfenster vorgesehen, und auch die Rückflugtickets von Tunesien nach Österreich waren fix gebucht. Da sämtliche Wetter- und Windprognosen für die weitere Strecke zwischen Korsika und Sardinien mehrere Tage keinen bis nur schwachen Wind ansagten, mussten wir uns aus zeitlichen Gründen entschließen, die zwei Inseln mit dem Flugzeug zu überbrücken. Hätten wir auf passenden Wind gewartet, wären wir womöglich einen Aufenthalt von 2 – 3 Wochen festgesessen.

Wir zerlegten daher das Boot und verpackten es am Flughafen Calvi in ein 2-motoriges Charterflugzeug. Der riesige Vorteil eines klein verpackten Reisekatamarans zeigte sich dabei ganz deutlich, im Bug des Flugzeuges hatte das Boot nämlich spielend Platz. Nach einer knappen Stunde Flug landeten wir in Alcero, Sardinien. Mit dem Taxi ging es nach Cagliari auf die Südseite der Insel. Dort herrschten nun idealste Windbedingungen, nämlich Mistral der Windstärke 4 -5, der uns ab sofort bis zu 30 Knoten Fahrgeschwindigkeit bescherte.

Die Wellen im Mittelmeer sind sehr hoch und steil, also noch schwieriger zu fahren als im Atlantik, wo die Wellen eine längere Dünung haben. Um den günstigen Wind zu nützen, mussten wir Tag und Nacht durchfahren. Der permanente Schlafentzug, ständige Nässe, die fehlenden sanitären Möglichkeit, aber auch Sonnenbrand, machten uns arg zu schaffen. Immerhin war unser Aufenthaltsraum nur 4 m2 groß. Oftmals bestand durch die bis 6 Meter hohen Wellen, die Gefahr zu kentern. Die Reflektoren am Mast bewährten sich gut, denn dadurch hat uns auch ein Großschiff rechtzeitig gesehen und gewarnt.

Nach endlosen Strapazen war Festland in Sicht. Ein großer Stein fiel uns vom Herzen. Nach 8. Tagen hatten wir es geschafft, erschöpft aber gesund unser Ziel zu erreichen. Im Magic Life Club Hammamet wurden wir stürmisch empfangen. Ein heißes Bad und langer Schlaf, gaben uns die Lebensgeister wieder zurück. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt, ging es mit der Tunis Air wieder zurück nach Wien.

Auch wenn wir nicht, wie es vorgesehen war, die gesamte Strecke gesegelt sind, können wir mit unserer Leistung absolut zufrieden sein. Immerhin haben wir 700 km segelnd zurückgelegt, und das nicht entlang der Küste, sondern ausschließlich am offenen Meer. Bedingt durch die Tatsache, Wetterbedingungen so anzunehmen, wie sie sind und segeln bei Tag und Nacht, war das Ganze eine große Herausforderung und persönliche Lebenserfahrung.

Links:
www.happy-cat.at





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