Texel, Geologie

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Geologie

Der Großteil des 25 km langen Dünenbandes entstand schon im 13. Jahrhundert (Foto: TijsB)

Der Grundstein für die Insel Texel wurde vor ungefähr 100 000 Jahren gelegt. In der vorletzten Eiszeit war der nördliche Teil der Niederlande mit Landeis bedeckt, das aus Skandinavien gekommen war. Nachdem das Eis geschmolzen war, blieben die hierin mitgeführten Erdmassen (Kies-, Ton- und Lehmmassen) auf dem Untergrund liegen. Auf diese Weise entstand der „Hoge Berg" - eine Geschiebelehmerhebung -, das „alte Land" Texels. Es liegt zwischen den Dörfern Oudeschild und Den Burg. Die nahe der Jugendherberge auf dem Hoge Berg gefundenen Findlinge, die in den Eismassen mitgeführt wurden, zeugen noch heute von der Entstehung der Insel. Die darauffolgende Eiszeit vergrößerte die entstandene Erhebung durch das Abladen weiterer Erdmassen.

Der Großteil des 25 km langen Dünenbandes entstand bereits im 13. Jahrhundert, nämlich der südliche Teil. Er reichte von De Hors bis zur damaligen Nordspitze De Koog.

Nachdem die Natur den Grundstein für die Entstehung der Insel gelegt hatte, war es in der Folgezeit vor allem der Mensch, der Texel formte. Rund um den Hoge Berg, dem man auch heute noch ansieht, dass er der ursprünglichste Teil der Insel ist, entstand im Laufe der Jahrtausende die jetzige Insel Texel.

Die ersten Inselbewohner siedelten auf den höher gelegenen Flächen und legten zum Schutz von Haus und Hof Deiche an. Bei einigen Dörfern sieht man immer noch, dass sie auf Erhebungen erbaut wurden. Das niedriger gelegene Land wurde regelmäßig bei Sturm überspült, wobei häufig Mensch und Tier zu Schaden kamen und Ernten vernichtet wurden. Die ältesten Funde, die auf Behausungen hindeuten, stammen aus der mittleren Steinzeit (8000-4500 v. Chr.).

Um 1300 setzte ein verstärkter Kampf des Menschen gegen die Naturgewalt des Meeres ein. Die Bewohner bemühten sich, aus ihren verstreut liegenden und abgegrenzten Parzellen ein Ganzes zu schaffen. Deiche wurden als Verbindung von Hof zu Hof angelegt. Gebiete, die nicht so häufig überflutet wurden, polderte man kurzerhand ein, um Weide- und Ackerland zu gewinnen. Die frühen Polder nannte man „cooghen". Schon am Namen De Koogs erkennt man, dass der Ort in einem solchen ehemaligen Polder liegt. Das Wort Polder stammt vom altgermanischen „Pol" (= Pfahl). Rund um das trockengelegte Gebiet wurden Deiche errichtet, die man mit Holzpfählen zusammenhielt.

Das Trockenlegen von Land war - und ist - ein recht langwieriger Prozess. Zunächst wurden Deiche und Kanäle, durch die das Wasser abfließen konnte, angelegt. Später säte man spezielle Grassorten aus, die dem Boden Wasser und Salz entziehen sollten. Erst nach Jahren konnte der Boden genutzt werden. Auf diese Weise entstand z.B. 1436 der erste Polder „Waal en Burg". Das Anlegen eines Sanddeiches (1629/30) zwischen De Koog und der nördlich hiervon gelegenen Insel Eierland, einer Dünenlandschaft, trug entscheidend zur Vergrößerung Texels bei. 1855 kam ein zweiter Sanddeich hinzu; ein Dünenband zwischen dem alten Texel und Eierland war entstanden. In der Folgezeit wurde das Land östlich der Deiche eingepoldert - der letzte Polder, „Het Noorden", entstand 1876. Die Watteninsel hat zu diesem Zeitpunkt ihre heutige Form erhalten.

Die Niederländer verstehen es zwar wie keine andere Nation, dem Meer zu trotzen, doch auch ihnen gelingt es nicht vollständig, es zu bezwingen. Deiche und Dünen konnten der Gewalt des Meeres nicht immer standhalten. Mitte des letzten Jahrhunderts beispielsweise durchbrach eine Sturmflut die Dünenreihe zwischen De Koog und Eierland und überschwemmte die dahinterliegende Fläche. Auch heute noch dringt das Meer bei Flut weit in dieses Gebiet, „De Slufter" genannt, ein.

Auch nagt die See beständig an der Insel. Schwere Stürme tragen immer wieder große Teile des Strandes ab, besonders in Höhe des Leuchtturmes und im Süden der Insel. Seit den 30er Jahren dieses Jahrhunderts haben die Insulaner verstärkt mit diesem Problem zu kämpfen. Durch die Verschiebung von Strömungsrillen in der Nordsee wird der Meeresboden abgetragen. Um die hierdurch entstandenen Löcher zu schließen, bedient sich das Meer des Sandes vom Strand. Die Folge ist, dass der Strand unaufhaltsam kleiner wird. Jede Sturmflut raubt ein Stückchen mehr vom Strand. In Höhe von Paal 9 (bei Den Hoorn) hat sich das Meer seit Mitte diesen Jahrhunderts 550 m Dünen „geholt".

Zur Rettung von Strand und Dünen wird im Abstand von mehreren Jahren immer wieder Sand aufgespült, so auch gegenwärtig wieder. Zwischen Paal 8 und 18 wurde der Strand 1993/1994 mit Sand aus der Nordsee aufgefüllt. Da das Sandaufspülen sehr kostspielig und keine dauerhafte Lösung ist, wird fieberhaft nach einer Alternative zur Rettung des Strandes gesucht. Die Diskussion geht dahin, mehrere hundert Meter lange Steindämme lotrecht zur Küste ins Meer hinaus zu bauen oder eine Reihe kurzer Dämme anzulegen.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf Texel kaum Baumbestand. Von der Jahrhundertwende bis Mitte der 1930er Jahre machte man sich daran, rund 450 ha Land mit jungen Bäumen aufzuforsten. Sinn dieser Aktion war es, die hinter den Dünen liegenden fruchtbaren Äcker vor dem Versanden (durch Flugsand - die Dünen waren kaum befestigt) zu schützen. Es wurden zunächst überwiegend Kiefernhölzer angepflanzt; im Volksmund heißt der Wald deshalb „De Dennen" (= Kiefer). Im Laufe der Zeit wurde ein erheblicher Teil der Nadelbäume durch Laubbäume (z.B. Eichen und Buchen) ersetzt.

Der Wald ist heute ein reizvolles Erholungsgebiet, das zu langen Spaziergängen wie geschaffen ist. Die staatliche Forstverwaltung hat viele Kilometer Wander-, Fahrrad- und Reitwege angelegt. Überall bieten kleine Lichtungen Platz für ein Picknick in der Sonne.

Im Laufe vieler Jahrhunderte haben Natur und Mensch eine abwechslungsreiche Landschaft geschaffen. Man nennt Texel auch „die Niederlande im Kleinen", da alle in den Niederlanden vorkommenden Landschaftsformen vertreten sind. Auf ungefähr 155 km² wechseln sich Strand, Dünen, Wald, Deiche, Polderwiesen, Heide, Ackerland und Blumenfelder munter ab. Sie bilden eine einzigartige Landschaft, die den unterschiedlichsten Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet.

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